11. Dezember 2020 | Magazin:

Die Wolken am Audimax sind zurück Wolken für eine gute Zukunft der Hochschule

Die Sanierung des Audimax geht dem Ende zu. Bereits zurückgekehrt sind die Wolken des Künstlers Hans Arp an der Westseite des Gebäudes. Die Großplastik steht als ein Symbol für eine gute Zukunft der damaligen Technischen Hochschule Braunschweig.

Die sechs Wolken wurden gleich zu Beginn der Sanierung des denkmalgeschützten Audimax 2019 demontiert. Jetzt kehrte das Kunstwerk an die frisch sanierte Fassade zurück. Zuvor hatte ein Metallrestauratorbetrieb aus Sachsen die Wolken aus Aluminiumblechen gereinigt und restauriert. Für die Montage wurden sie mit einem Autokran auf den Balkon des Audimax gehievt. Denn das Gewicht der Aluminiumwolken ist beachtlich: Die kleinste wiegt etwa 125 Kilogramm, die größte Wolke bringt 750 Kilogramm auf die Waage. Ein Video zeigt die Montage der Wolken.

Der deutsch-französischer Maler, Grafiker, Bildhauer und Lyriker Hans Arp (1886-1966) wollte mit seinem Kunstwerk eine zuversichtliche Sicht auf die Zukunft schaffen. Wie Wolken am Himmel sollte sich auch die Hochschule in eine gute Zukunft begeben. Neben der Wolkenskulptur für das Audimax entwarf Arp weitere Großplastiken: für die Harvard University, USA, die Universität Caracas, Venezuela, und das UNESCO-Gebäude in Paris, Frankreich.

Der damalige Direktor der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, Erhart Kästner, schreibt in dem Beitrag „Auf drei Plastiken von Hans Arp“ in der Publikation Jahresring 1961/62: Dem Haus, in welchem gelehrt wird, was in der Welt errechenbar sei, ist ein Vers voller Unberechenbarkeit hinter die Ohren geschrieben, und sogar auf die Stirne. Während das Rad des technischen Fortschritts fortgedreht wird, Rad auf blutender Narbe steht da, das Spiel der Wolken sei besser (…) Der aluminiumsilberne Vers denkt an anderes Verstehen.“ (Quelle: Erhart Kästner. Leben und Werk in Daten und Bildern. S.165)

„Wolkenzug über nachtschwarzem Himmel“

Das Kunstwerk ist namenslos wird aber als „Wolkenzug über nachtschwarzem Himmel“ bezeichnet. Aber warum sind heute die Wolken dunkel und der Himmel hell? Dazu tauchen wir etwas in die Geschichte ein:

Der Forumsplatz, heute Universitätsplatz, mit dem Gebäudeensemble, Audimax, Forumsgebäude und Universitätsbibliothek wurde nach Entwürfen des Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer neugeschaffen. Kraemer hatte auch die Professur für Gebäudelehre und Entwerfen von Hochbauten an der damaligen TH Braunschweig inne. Er plante die Gebäude als drei geometrische Grundformen: Kubus, Scheibe und Zylinder.

Das Audimax war der erste Bau des Forumsensembles, der 1960 fertiggestellt wurde. Aus dem Gebäude ragte ein dunkelanthrazit beschichteter Kubus. An der Westseite des dunklen Kubus waren die silberaluminiumfarbenen Wolken angebracht. Diese dunkle Fassaden-Farbgestaltung hatte Kraemer auch für den Bau der Bibliothek vorgesehen, der 1971 fertiggestellt wurde. Die Pläne für den Bau haben sich mehrfach geändert. So musste er die Planungen aufgrund der benötigten größeren Kapazitäten anpassen. Außerdem wurde für die dunkle Farbgestaltung der Fassade keine Baugenehmigung erteilt. Mittlerweile wies die dunkelanthrazite Fassade des Kubus Audimax nach knapp zehn Jahren Schäden auf. Zudem hatte sie thermisch ungünstige Eigenschaften.

Wechsel der Farbgebung

So kam es, dass der Architekt und Urheberrechtsinhaber des Gebäudes Friedrich Wilhelm Kraemer sich Anfang der siebziger Jahre mit dem damaligen Bauherr zu einem Wechsel der Farbgestaltung geeinigt hat. Das Forumsensemble sollte farblich wieder einheitlich erscheinen. Dabei soll der Architekt, die damit verbundene konsequente Farbänderung der Wolkenskulptur mit der Witwe Hans Arps, auf die die Urheberechte übergegangen waren, abgestimmt haben. Die Farbänderung wurde durch ein Aufbringen eines neuen, fast schwarzen Eloxals geändert.

Und warum wurde bei der Sanierung der Originalzustand mit der anthrazitfarbenen Fassade und den silbernen Wolken nicht wiederhergestellt? Eine Rückführung der Wandinstallation von Arp zur ersten Farbfassung wäre mit der Farbänderung des Gebäudes verbunden. Beides, Audimax und die Wolkenplastik, gelten als Kunstwerke. Welches der beiden Kunstwerke darf nun verändert werden? Die Bauherren, erst das Staatliche Baumanagement, dann die TU Braunschweig, auf die die Bauherreneigenschaft übergegangen ist, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege sowie das Architekturbüro entschieden sich in einem langen Abwägungsprozess dafür, nicht die ursprüngliche Fassung wiederherzustellen. Sondern den Anfang der 1970er Jahre weitergedachten Entwurfsgedanken des Architekten weiterhin sichtbar zu machen.

„Um den Blick fürs Ganze zu wahren und ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das alle Aspekte vom Entwurfsgedanken zur technischen Ausführung würdigt“, so der Projektleiter der Audimax-Sanierung, Architekt Markus Loschinsky von Krekeler Architekten. „In diesem Sinne lässt sich die Wolkenskulptur nur im Kontext des Audimax denken, und das wiederum nur als Teil des Forumsensembles.“