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Kontamination und Welt 27. April 2020 | 16:45 Uhr - 18:30 Uhr

Können wir in der Welt lesen? Wenn ja, in welcher Form und in welcher Welt? In seinem Buch „Die Lesbarkeit der Welt (1981) bemerkt Hans Blumenberg: „Sollte die Natur als das ‚erste Buch Gottes‘ Geltung behalten, bedurfte es nicht nur der Kenntnis seiner Sprache, sondern der Erfindung listiger Hilfsmittel, sie deutlich zu lesen; etwa vom Typus des Fernrohrs.“ Hier lässt sich auch das Mikroskop einreihen und damit ein mögliches Lesen im Mikrokosmos – oder gar in einer planetaren Welt?

Die Auseinandersetzung mit dem Lübecker Philosophen H. Blumenberg (1920- 1996) gewinnt zunehmend an Aktualität, über die Disziplinen hinweg. Mit dem Begriff der Lesbarkeit adressiert Blumenberg nicht nur Modalität und Relationalität der Welterfahrung, sondern stellt auch das Buch und die Bibliothek als generelle Metaphern der Welterzeugung zur Diskussion. Dabei wird gleichzeitig ein Anspruch auf Sinnhaftigkeit der Welt erhoben. Auch eine weitere Differenz lässt sich mit dem Phänomenologen diskutieren: die moderne Feindschaft zwischen Bibliothek und Labor bzw. zwischen Tot- und Lebendsammlung, die jeweils verschieden auf universale Weltdeutung abheben. Provokant gefragt: Könnte man etwa wie ein Pathologe des Buches in alten Büchern lesen, in dem man ihre Mikroben analysiert? Was bringen sie wie zur Sprache?

Die Ringvorlesung stellt Zwischenergebnisse aus dem laufenden BMBF-Projekt MIKROBIB („Kontamination und Lesbarkeit der Welt: Mikroben in Sammlungen zur Sprache bringen“) vor. Sie besteht aus interdisziplinären Vorträgen von Referenten und Referentinnen, die sich aus natur-, geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive mit den Implikationen des Lesens, den zugehörigen Objekten und Sammlungen sowie mit den imaginierten Welten beschäftigen. Ziel ist ein offener Austausch mit interdisziplinären Gesprächen zur Lesbarkeit in verschiedenen Bereichen der wissenschaftlichen Welt.

Referent*in

Dr. des. Alexander Waszynski, Maiko Mundt, TU Braunschweig

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