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„Der Kampf um Wallenstein“: Friedrich Schiller – Ricarda Huch – Golo Mann 07.02.2019 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

„Dient die Geschichte der Dichtung oder umgekehrt?“ Kann man Geschichtsschreibung der Literatur gleichsetzen und ist sie nur ein ganz bestimmter Zweig der Literatur, wie es Golo Mann formuliert? Wo liegt der Unterschied zwischen Dichter und Historiker? Bei diesen und ähnlichen Fragen vertauscht man die oft recht verschraubt formulierten Geschichtsdarstellungen gegen erlesene literarische Texte verschiedener Epochen von Autoren wie Friedrich Schiller, Ricarda Huch oder Golo Mann, in denen voller Spannung historische Ereignisse in vollendeter Sprache erzählt werden. „Dort, wo Geschichte zu Literatur verarbeitet wird, überschneiden sich die beiden Bereiche“. Zwischen diesen Bereichen bewegt sich „Der Dreißigjährige Krieg“ von Ricarda Huch, ein Werk, in dem der Spagat zwischen Geschichte und Dichtung auf einzigartige Weise gelungen ist.

Richarda Huch wurde als eine der wenigen Frauen ihrer Generation als Historikerin promoviert. Kaum anerkannt unter zeitgenössischen Historikern, genoss sie großes Ansehen bei dem ins Exil geflohenen Historiker Golo Mann.

Beide waren bei ihren Wallensteinarbeiten von Schillers strategischer Studie „Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs“ beeinflusst. Geschichtswissenschaft und Schiller-Rezeption gingen immer davon aus, dass Wallenstein heldisch und autonom handelte. Davon haben sich die beiden wichtigsten Autoren, die sich nach Schiller der Figur widmeten, völlig befreit: Richarda Huch und Golo Mann schauen deutlich auf die Schwäche dieses äußerlich bis zuletzt so machtvollen Menschen. Für alle drei Autoren aber galt, es war ein lohnender „Kampf um Wallenstein“, sowohl für die Literatur– als auch die Geschichtswissenschaft.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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