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Flo(i)re, Flo(y)ris, Florio – Zum Paradigma ›Interkulturelle Mediävistik‹ 18. Juni 2026 - 20. Juni 2026 | 14:00 Uhr - 13:00 Uhr

Bei der Liebesgeschichte von Flo(i)re/Flo(y)ris/Florio (›Rose‹) und Blancheflor/Blanscheflur/Biancofiore (›Lilie‹) handelt es sich um den wohl meistverbreiteten und bis in die Neuzeit hinein immer wieder neu adaptierten Erzählstoff des Mittelalters. Zwischen dem späten 12. bis frühen 14. Jahrhundert entstanden Versionen in altfranzösischer, maasländischer, mittelhochdeutscher, mittelenglischer und mittelniederländischer Sprache, ferner in sämtlichen skandinavischen Sprachen sowie schließlich Giovanni Boccaccios italienische Adaptation Il Filocolo (1335–36), die wiederum maßgeblich ist für Übertragungen ins Tschechische, Jiddische und die Dramenadaptation durch Hans Sachs im 16./17. Jahrhundert. An neuzeitlichen Beispielen für die longue durée der Flore-Rezeption seien nur Sophie Tiecks episches Gedicht Flore und Blancheflur (1822), die Ballade Florez och Blanzeflor des schwedischen Dichters Oscar Levertin (1891) und Luis Fernández Ardavíns Komödie Flores y Blancaflor (1928) genannt. Gemein ist allen Ausformungen das Handlungsgerüst einer schon per se interkulturellen, d.h. einer Glaubens-, Standes- und Raumgrenzen transgredierenden Liebesgeschichte, die zugleich offen ist für unterschiedliche Rahmungen und Anbindungen an diverse kulturelle, insbesondere etwa genealogische Kontexte. Leitgedanke unserer Tagung ist, dass die der Flore-materia inhärente Interkulturalität ihre europaweite Verbreitung einerseits maßgeblich katalysiert haben dürfte – und sie so andererseits als herausragender Gegenstand einer immer wieder eingeforderten ›Interkulturellen Mediävistik‹ fungieren kann. Die von Prof. Dr. Amelie Bendheim (Luxemburg), Dr. Martin Sebastian Hammer (Braunschweig) und Prof. Dr. Christine Putzo (Bern) an der Technischen Universität Braunschweig veranstaltete und durch Mittel aus zukunft.niedersachsen geförderte Tagung soll exemplarische Perspektiven des Paradigmas ›Interkulturelle Mediävistik‹ für Forschung und Lehre am Beispiel des Flore-Stoffes verfolgen.

Referent*in

Prof. Dr. Amelie Bendheim (Luxemburg), Dr. Martin Sebastian Hammer (Braunschweig), Prof. Dr. Christine Putzo (Bern)

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