Kategorie: , | Veranstaltungsgruppe:

Erweiterte DNA-Analyse: Hilfe zur Kriminalaufklärung oder Gefahr für die Demokratie? 27. Januar 2020 | 18:30 Uhr - 20:00 Uhr

DNA-Spuren am Tatort haben bislang vor allem zum Abgleich mit Spuren von bereits bekannten Verdächtigen gedient. Dagegen ist nun eine Gesetzesvorlage der Bundesregierung auf dem Weg, die es erlauben würde, genetische Hinweise auf Merkmale des Täters oder der Täterin – Haut-, Haar- oder Augenfarbe sowie genetische Abstammung – schon zu Zwecken der Fahndung zu verwenden. Aber wie sicher sind diese auf Wahrscheinlichkeiten basierenden Schlüsse? Können sie die Ermittlungen in eine falsche Richtung lenken? Was helfen Merkmale in Fahndungsaufrufen, die z. B. durch Kleidung verdeckt werden können? Und fokussieren Fahndungen nicht vorschnell einen Kreis bestimmter Verdächtiger? Wie sicher ist die wissenschaftliche Grundlage für diese Verfahren und wie sicher ihre Anwendung? Und kann aus kleinsten Bruchteilen von Erbinformationen überhaupt sicher auf das Erscheinungsbild gesuchter Personen geschlossen werden? Wie reflektiert geht die Öffentlichkeit mit Fahndungsaufrufen um? Wie kann verhindert werden, dass Minderheiten stigmatisiert werden?
Diese und weitere Fragen werden im Rahmen der Veranstaltung mit der Referentin und dem Publikum diskutiert.

Prof. Dr. Veronika Lipphardt ist Professorin für Wissenschafts- und Technikforschung (Science and Technology Studies) am University College Freiburg. Sie studierte Biologie, Musik- und Sozialwissenschaften und leitete von 2011 und 2015 nach mehreren weiteren akademischen Stationen eine unabhängige Forschungsgruppe am Max Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Sie gehört der »Wissenschaftlichen Initiative zu Erweiterten DNA-Analysen« an und begleitet in dieser Rolle die öffentlichen Diskussionen um diese Technologie kritisch und aus wissenschaftlicher Sicht. Die Initiative berichtet über die Möglichkeiten, den Entwicklungsstand und die Gefahren einer solchen Technologie.
Veronika Lipphardt forscht u. a. zur Geschichte der Populationsgenetik. In ihrem Buch »Biologie der Juden. Jüdische Wissenschaftler über »Rasse« und Vererbung, 1900-1935« (2008) analysiert sie einen wichtigen Ausschnitt aus dieser Geschichte.

Referent/in

Prof. Dr. Veronika Lipphardt, Freiburg

Zur Website der Veranstaltung →
Veranstaltung im Kalender speichern →