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Die Kauf-Shopping-Störung im digitalen Zeitalter: Prävalenz, Behandlung und neue Perspektiven 2. Juli 2026 | 17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Mit dem rasanten Wachstum des Online-Handels verändern sich Kaufgewohnheiten tiefgreifend – und mit ihnen auch das Erscheinungsbild der Kauf-Shopping-Störung (Compulsive Buying-Shopping Disorder, CBSD). Die Störung ist durch eine ausgeprägte gedankliche Vereinnahmung, einen als unwiderstehlich erlebten Kaufdruck und einen deutlichen Kontrollverlust gekennzeichnet, der in impulsiven, zwecklosen oder übermäßigen Kaufhandlungen mündet. Trotz fehlender offizieller Diagnose findet sich seit Jahrzehnten ein erhebliches Ausmaß an individuellem Leidensdruck sowie vielfältigen sozialen, finanziellen und juristischen Belastungen.
Parallel zu dieser Entwicklung ist in den vergangenen Jahren ein deutlich gestiegenes wissenschaftliches, klinisches und gesellschaftliches Interesse zu beobachten. Dies spiegelt sich in wesentlichen Fortschritten der Klassifikation und Versorgung wider: So wird CBSD im ICD-11 inzwischen als Beispiel einer „anderen spezifizierten Impulskontrollstörung“ aufgeführt, während eine wachsende Zahl von Expertinnen und Experten die Störung konzeptuell im Bereich der Verhaltenssüchte verortet.
Auch empirisch hat sich der Forschungsstand erheblich weiterentwickelt. Eine aktuelle Meta-Analyse zur Prävalenz von CBSD über verschiedene Kultur- und Bevölkerungsgruppen hinweg räumt mit verbreiteten Unklarheiten zu Alters- und Geschlechtsunterschieden auf und zeigt zugleich, dass insbesondere junge Menschen eine besonders vulnerable Risikogruppe darstellen. Digitale Konsumumgebungen (von Online-Shops bis hin zu sozialen Medien) sind rund um die Uhr verfügbar und verstärken Kaufimpulse durch algorithmisch gesteuerte Anreize erheblich.
Im Versorgungsbereich markiert die neue AWMF-S1-Leitlinie zur Diagnostik und Behandlung von Internetnutzungsstörungen einen wichtigen Meilenstein. Sie berücksichtigt erstmals explizit Online-spezifische Ausprägungen von CBSD und bietet konkrete Handlungsempfehlungen für Diagnostik und Therapie. Zugleich eröffnet die aktuelle Forschung neue Perspektiven, etwa hinsichtlich deliktischer Verhaltensweisen im Kontext von CBSD und der psychologischen Mechanismen, die diesen zugrunde liegen.
Der Vortrag gibt einen kompakten Überblick über aktuelle Entwicklungen in Prävalenzforschung, Klassifikation und Versorgung sowie über neu aufkommende Forschungsfragen und zeigt, welche klinischen und wissenschaftlichen Herausforderungen – aber auch Chancen – sich daraus für die zukünftige Arbeit mit Betroffenen ergeben.

Referent*in

Dr. Nora Laskowski, M.Sc. Public Health, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Medizin Campus OWL, Ruhr-Universität Bochum

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