Über 1.000 Studierende geben Einblick in Studienalltag Erste Ergebnisse und Selbsthilfemaßnahmen
Welche Anforderungen und Ressourcen prägen den Studienalltag – und wie geht es Studierenden damit? Im Projekt „GesA Stud“ (Gesund und erfolgreich studieren) geht Professorin Simone Kauffeld mit ihrem Team dieser Frage nach. Sie untersucht auch, wie Studierende niedrigschwellig unterstützt werden können. Hierzu erhalten Studierende auf Basis ihres individuellen Anforderungs-Ressourcen-Profils passende Unterstützungsangebote an die Hand, die sie eigenständig umsetzen können. Die Hauptstudie läuft gerade wieder an, neue Teilnehmende sind herzlich willkommen.
Die Studie ergab, dass Studierende sich im Schnitt durchaus engagiert bei der Sache zeigen, allerdings auch Stresserleben und Erschöpfung im mittleren Bereich liegen. Mögliche Erklärungen hierfür sind die verschiedenen Anforderungen und Ressourcen, die Studierende in ihrem Alltag erleben.
Schwierig: Trennung von Studium und Erholung
Bei den Anforderungen wurden vor allem Abgrenzung, körperliche Belastung und allgemeine Aufgabenanforderungen als besonders stark empfunden. „Abgrenzung“ meint dabei die Schwierigkeit, sich neben den akademischen Verpflichtungen bewusst Raum für Erholung zu schaffen und gedanklich auch mal vom Studium abzuschalten. Körperliche Belastung bezieht sich vor allem auf die Folgen von viel Sitzen, Bildschirmarbeit und wenig Bewegung im Studienalltag. Die Aufgabenanforderungen betreffen den Organisationsaufwand und die fachliche Herausforderung bei der Bearbeitung von Studienaufgaben.
Am geringsten ausgeprägt waren dagegen Diskriminierungserfahrungen, also abwertende Kommentare oder Handlungen aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Glauben oder anderen Merkmalen, sowie wahrgenommene Gefahren und Risiken im Studienumfeld – ein insgesamt positives Signal.
Besonders spannend ist der Blick auf die Streuung: Bei Einsamkeit, also dem Gefühl, im Studium ohne Freund*innen dazustehen, an die man sich wenden kann sowie bei störenden Umgebungsfaktoren, also einer Lernumgebung, die konzentriertes Arbeiten erschwert, unterscheiden sich die Studierenden besonders stark. Für einen Teil ist das ein zentrales Thema, für andere spielt es kaum eine Rolle.
Teamarbeit schwächste Ressource
Um mit diesen Anforderungen umzugehen, greifen Studierende auf ganz unterschiedliche Ressourcen zurück. Am stärksten wird dabei die private Unterstützung erlebt: Die meisten Studierenden finden in der Familie, bei Freund*innen oder bei den Partner*innen ein offenes Ohr und einen verlässlichen Rückhalt, auf den sie sich in schwierigen Phasen verlassen können.
Fast ebenso hoch fällt die erlebte Sinnhaftigkeit des Studiums aus. Viele Studierende betrachten ihr Studium als gesellschaftlich relevant. Auch die wahrgenommenen Karriereentwicklungsmöglichkeiten werden positiv bewertet. Etwas schwächer schätzen Studierende dagegen ihre Frustrationstoleranz und Selbstdisziplin ein. Am schwächsten ausgeprägt ist die Teamarbeit – eine Kompetenz, die sich im Studium besonders gut stärken lässt.
Mit kleinen Maßnahmen Studierende unterstützen
Auf Basis ihres individuellen Anforderungs-Ressourcen-Profils erhalten teilnehmende Studierende passende Selbsthilfemaßnahmen an die Hand: kompakte, verständlich aufbereitete Impulse mit Hintergrundwissen, Reflexionsfragen und teilweise auch Arbeitsblättern, mit denen sie sich eigenständig mit einem Thema auseinandersetzen und sich eigene Ziele für die Umsetzung im Alltag setzen können. Ein Beispiel ist die 6-A-Strategie: Sie führt Studierende in sechs Schritten durch belastende Momente – von der bewussten Wahrnehmung und Annahme der Situation über das Herunterfahren der eigenen Anspannung bis hin zur Überlegung, wie man beim nächsten Mal noch besser reagieren kann.
Über die Studie
Insgesamt haben 1.053 Studierende an der Studie teilgenommen. Sie waren im Schnitt 26 Jahre alt, studierten im fünften Fachsemester und 66 Prozent von ihnen waren weiblich. Überwiegend kamen sie von Universitäten (55 Prozent) und Fachhochschulen (31 Prozent); der Rest verteilte sich auf Fernuniversitäten, Berufsakademien/Duale Hochschulen, Privathochschulen und Pädagogische Hochschulen. Knapp ein Drittel studierte ein MINT-Fach. Die meisten finanzierten ihr Studium unter anderem durch einen Nebenjob.
GesA Stud steht für „Gesund und erfolgreich studieren“ und wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. Das Projekt läuft vom 1. November 2024 bis zum 31. Oktober 2027 und wird am Institut für Psychologie der TU Braunschweig, Abteilung Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie, unter der Leitung von Prof. Dr. Simone Kauffeld durchgeführt. Ziel ist es, stigmatisierungsfreie und niedrigschwellige Präventions- und Interventionsmaßnahmen zu entwickeln, die die Gesundheit von Studierenden fördern und ihren Studienerfolg steigern. Die Teilnehmenden erhalten dafür ein individuelles Anforderungs-Ressourcen-Profil auf Basis einer umfassenden Diagnostik und werden im Laufe eines Semesters bei der Umsetzung individuell empfohlener Maßnahmen unterstützt.
Hinweis: Jetzt noch schnell anmelden und dabei sein!
Studierende, die noch teilnehmen möchten, können sich unter https://s2survey.net/GesA-Stud/ registrieren. Bei Fragen hilft das Projektteam gerne unter GesA-Stud@tu-braunschweig.de weiter.