22. März 2023 | Presseinformationen:

Sprechen über Gefühle für einen besseren Wortschatz Forschende der TU Braunschweig entwickeln Fortbildung für Lehrkräfte

Nur wer die Sprache beherrscht, kommt im Unterricht auch mit. Doch wie kann die Sprachentwicklung von Kindern verbessert werden, die Deutsch als Zweitsprache lernen? Lässt sich die Sprachförderung im Unterricht oder in die Nachmittagsbetreuung integrieren? Daran forschen Wissenschaftler*innen aus Braunschweig, Lüneburg und Kassel und bieten eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte in der Grundschule an. Im Fokus steht dabei das Sprechen über Gefühle.

Im Projekt „Fühlen – Denken – Sprechen in der Grundschule“ entwickeln die Forschenden Trainingsmaterialien für Grundschullehrer*innen und Fachkräfte in der Nachmittagsbetreuung. Hier wird die Sprachbildung in den Alltag eingebaut und verschafft Kindern immer wieder Lerngelegenheiten. Dabei liegt der Forschungsschwerpunkt von Dr. Oliver Hormann vom Institut für Erziehungswissenschaft der Technischen Universität Braunschweig auf dem Einsatz sogenannter Sprachfördertechniken. Damit geben Lehrkräfte und Pädagog*innen Kindern zum Beispiel gezielte Rückmeldungen zu fehlerhaften Äußerungen, indem sie die Schüler*innen etwa beiläufig korrigieren oder vervollständigen.

Dr. Oliver Hormann vom Institut für Erziehungswissenschaft der TU Braunschweig. Bildnachweis: Oliver Hormann/TU Braunschweig

In der Fortbildung sollen die Teilnehmer*innen nicht nur lernen, wie sie den Kindern sprachliche Regeln vermitteln. Sie sollen das Sprache-Lernen, wo immer möglich, in Gespräche über Gefühle einbetten. „Aus sprachlicher Sicht verlangen Gespräche, in denen Kinder ihre Emotionen ausdrücken, oftmals komplexere Sätze und ein vielschichtigeres Vokabular als Alltagsgespräche“, erklärt Dr. Hormann und gibt hierfür ein Beispiel: „Ich glaube, dass du heute mürrisch bist, weil ich dich gestern nicht mehr angerufen habe.“ Durch Gespräche über Emotionen lassen sich somit jene komplexen sprachlichen Fähigkeiten trainieren, die Kinder benötigen, um erfolgreich am Unterricht teilnehmen zu können. „Wir sprechen hierbei von Bildungssprache“, so Professorin Katja Koch, Projektleiterin am Standort Braunschweig. „Die Förderung der Bildungssprache ist vor allem für Kinder mit nicht-deutscher Erstsprache wichtig, die hier oft Aufholbedarf haben.“

Besser Konflikte lösen

Gespräche über Gefühle sind aber nicht nur für die Sprachentwicklung wichtig, sondern auch für den Aufbau des Emotionswissens. Gemeint ist die Fähigkeit, die eigenen Gefühlszustände und die anderer Menschen zu erkennen und zu verstehen. Das Emotionswissen hängt auch mit der Fähigkeit zur Emotionsregulation zusammen. Je mehr die Kinder im Klassenverband über ihre Gefühle sprechen, so der Ansatz der Fortbildung, desto besser werden sie in der Lage sein, Konflikte gemeinsam zu besprechen und zu lösen.

Erste Erfolge zeigten sich bereits im Vorgängerprojekt „Fühlen – Denken – Sprechen – alltagsintegrierte Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen“. Maria von Salisch, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg, fasst zusammen: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die sprachlichen Kompetenzen der Kinder signifikant verbessert haben, etwa beim Satzverständnis, der morphologischen Regelbildung und dem Satzgedächtnis. Diese Bereiche sind gerade für die Bildungssprache sehr wichtig.“

Aktuell sucht die TU Braunschweig weitere Grundschulen, die bei dem Projekt mitmachen. Interessierte können sich gerne per E-Mail an Dr. Oliver Hormann (oliver.hormann@tu-braunschweig.de) wenden.

Projektdaten

Das Forschungsprojekt „Fühlen Denken Sprechen in der Grundschule“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Ausschreibung „Sprachliche Bildung in der Einwanderungsgesellschaft“ mit rund 190.000 Euro allein in Braunschweig für einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Beteiligt sind die TU Braunschweig (Prof. Katja Koch und Dr. Oliver Hormann), die Leuphana Universität Lüneburg (Prof. Maria von Salisch und Dr. Katharina Voltmer) und die Universität Kassel (Prof. Miriam Langlotz und Roberta Enzmann).