Zwischen Literatur, Film und Künstlicher Intelligenz Jan-Erik Leonhardt ist neuer Juniorprofessor für Englische Fachdidaktik
Wie lernen Schüler*innen heute Englisch und welche Kompetenzen benötigen Lehrkräfte für zeitgemäßen Unterricht? Jan-Erik Leonhardt, neuer Juniorprofessor für Englische Fachdidaktik an der Technischen Universität Braunschweig, widmet sich genau diesen Fragen. In seiner Forschung untersucht er unter anderem, wie Literatur, Filme, Serien, Künstliche Intelligenz und andere Medien sinnvoll in den Englischunterricht integriert werden können. Im Interview spricht er über aktuelle Forschungsprojekte, die Gründung des „Centre for Pictorial Holocaust Narratives“, Demokratiebildung im Englischunterricht und darüber, warum Geschichten ein Schlüssel zum Fremdsprachenlernen sein können.

Jan-Erik Leonhardt, Juniorprofessor für Englische Fachdidaktik. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig
Warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?
Ich durfte die Stelle in der Englischdidaktik bereits im Wintersemester vertreten. In dieser Zeit bin ich vielen engagierten Studierenden am Campus begegnet und habe mit zahlreichen großartigen Kolleg*innen aus der Didaktik und den Fachwissenschaften zusammenarbeiten können. Kurzum: Die Menschen der TU Braunschweig haben mir die Entscheidung, die Juniorprofessur anzunehmen, sehr leicht gemacht – und ich freue mich nun sehr auf die weitere Zusammenarbeit!
Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
In der Englischdidaktik bilden wir Lehrkräfte für alle Schulformen aus. Um diese Ausbildung evidenzbasiert und professionsorientiert gestalten zu können, forschen wir unter anderem zu den Kompetenzen von Schüler*innen, den Voraussetzungen für erfolgreichen Englischunterricht und der wirksamen Professionalisierung von Fremdsprachenlehrkräften.
Mich interessieren zum Beispiel der Einsatz englischsprachiger Filme und Serien im Unterricht, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz für das Fremdsprachenlernen sowie technologische Entwicklungen wie Virtual Reality und digitale Spiele.
Dabei geht es mir nicht nur um das funktionale Fremdsprachenlernen, also die Förderung einzelner sprachlicher Kompetenzen wie Lesen und Schreiben. Vielmehr möchte ich Lehrende und Lernende dazu befähigen, sich kritisch und reflektiert mit vielfältigen Texten und Medien auseinanderzusetzen.
Was sind die Hauptforschungsbereiche und -projekte, an denen Sie an der TU Braunschweig arbeiten werden?
Momentan forsche ich zur Frage, welche Kompetenzen angehende Englischlehrer*innen für den Unterricht mit Filmen benötigen. Hierfür führen wir eine länderübergreifende Studie mit Studierenden in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch. Auf Basis der Ergebnisse möchten wir die Ausbildung von Englischlehrer*innen im Bereich des filmbasierten Fremdsprachenunterrichts weiter verbessern.
Viele weitere Projekte sind in der Planung: In der Englischdidaktik in Braunschweig arbeiten wir derzeit an der Gründung des „Centre for Pictorial Holocaust Narratives“. Hier entstehen Forschungs- und Bildungsprojekte aus Perspektive der Literaturwissenschaft und Sprachdidaktik zu Holocaust-Erzählungen, insbesondere Graphic Novels und Bilderbüchern. Perspektivisch möchte ich an der Entwicklung einer KI-basierten, digitalen Lernanwendung mit dem Schwerpunkt Demokratiebildung im Englischunterricht mitwirken. Ziel ist es auch hier, Lernenden den Zugang zu unterschiedlichen Texten und Medien zu ermöglichen und ihnen Einblicke in deren Entstehung und Wirkung zu geben.

Prof. Jan-Erik Leonhardt mit TU-Präsidentin Prof. Angela Ittel und Prof. Jan Standke, Dekan der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig
Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?
Seit meiner Kindheit habe ich eine große Liebe für Sprache und Geschichten aller Art – sei es in Romanen, im Theater, in Filmen oder Serien. Geschichten erlauben es uns, in neue Welten einzutauchen, spannende Erfahrungen zu machen und die Perspektive anderer Personen nachzuvollziehen. Meine Begeisterung für Sprache, Literatur, Kultur und Medien möchte ich an Studierende, Lehrer*innen und Schüler*innen weitergeben!
Darüber hinaus ist sprachliche Bildung für Kinder und Jugendliche von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung. An der TU Braunschweig möchte ich dazu beitragen, kompetente Lehrkräfte auszubilden und den Englischunterricht zukunftsorientiert weiterzuentwickeln, sodass möglichst viele Lernende am gesellschaftlichen, demokratischen und beruflichen Leben teilhaben können.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?
Kooperation: In vielen Meetings spreche ich fast täglich mit Kolleg*innen an der TU sowie anderen Universitäten zu Projektideen, Forschungsinteressen und gemeinsamen Vorhaben. Besonders schön ist es, wenn diese Begegnungen auf einer Tagung stattfinden. Ebenso wichtig sind für mich die Gespräche mit Studierenden über ihre Ausbildung als künftige Englischlehrer*innen – in Lehrveranstaltungen, Kolloquien, Sprechstunden oder bei einem Kaffee zwischendurch.
Forschung: Manche Leute mögen Excel-Dateien, und ich gehöre offenbar dazu. Hier werte ich Daten aus und trage Forschungsergebnisse zusammen. Besonders schätze ich die Zeiten des Tages, in denen ich zum Schreiben komme. Noch mehr Freude macht es mir, die entstandenen Texte mit meinen Kolleg*innen zu diskutieren und unsere Argumente weiter zu schärfen.
Coaching und Führung: Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitenden an der TU Braunschweig. Das Coaching von Early Career Researchers, die spannende Promotionsprojekte durchführen, liegt mir dabei besonders am Herzen. Gleichzeitig geht es auch darum, unsere Abteilung strategisch weiterzuentwickeln. In regelmäßigen Meetings entscheiden wir daher gemeinsam im Kollegium über Lehre, neue Projekte und die zukünftige Ausrichtung unserer Arbeit.