28. Januar 2026 | Magazin:

Wie die Sprache Forschungsergebnisse beeinflusst Neues Buch von TU-Forschenden zur Rolle von Metaphern bei der Hypothesenbildung

In dem Buch stellen TU-Forschende die Ergebnisse einer interdisziplinären Zusammenarbeit vor, die den Einfluss von Metaphern auf die Life-Science-Forschung untersucht hat. Dazu haben sie eine systematische Metaphernanalyse mit ethischen, philosophischen und pädagogischen Perspektiven auf die Bedeutung von Metaphern in biotechnologischer Forschung und Wissenschaftskommunikation verknüpft. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle von Metaphern in öffentlichen Diskursen, die maßgeblich für die Akzeptanz oder Ablehnung biotechnologischer Fortschritte sein können.

Illustration zu Metaphern: Die Verwendung von Metaphern in der Wissenschaft ist unerlässlich, aber auch mit Missverständnissen verbunden. Bildnachweis: Prof. Stefan Dübel

Die naturwissenschaftliche Forschung nutzt Metaphern wie beispielsweise „Antikörper“, „Gen-Schere“ oder „Transkription“ in vielfältiger Weise. Zum einen ist die Verwendung von Metaphern unerlässlich, um bisher unbekannte biologische Phänomene zu beschreiben und Hypothesen zu formulieren. Die Wahl einer bestimmten Metapher erzeugt Assoziationen und kann damit das Denken der Forschenden – und somit sogar die Richtung zukünftiger Forschung – beeinflussen, da eine Metapher niemals vollständig dem tatsächlichen biologischen Phänomen entsprechen kann. Zum anderen sind Metaphern unerlässlich, um wissenschaftliche Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln, wobei ihre Wahl die öffentliche Wahrnehmung prägt und Einfluss auf Akzeptanz oder Ablehnung nimmt.

Alles begann beim Speed-Dating

Die Geschichte dieses Buches begann beim wissenschaftlichen Speed-Dating an einem Stehtisch im Forumsgebäude der TU Braunschweig. Die Veranstaltung markierte den Start der TU-internen Förderausschreibung „Seed Funding Program Interdisciplinary Collaboration“. Der Theologe und Ethiker Professor Stefan Heuser und der Biotechnologe Professor Stefan Dübel kamen ins Gespräch über die Rolle der Sprache bei der Hypothesenbildung in den Naturwissenschaften.

Das Ergebnis dieses Austauschs war der interdisziplinäre Workshop „How Metaphors Shape Biotechnology“, der im November 2023 an der TU Braunschweig durchgeführt wurde. Er brachte Biologinnen und Philosophinnen zusammen, um die Bedeutung von Metaphern in den Biowissenschaften zu diskutieren. Die Teilnehmer*innen des Workshops fanden diese Ergebnisse so interessant, dass sie beschlossen, sie in einem Buch zusammenzufassen. Dieses ist nun in der Reihe „Health Academy“ des De-Gruyter-Verlags erschienen (Open Access).

Fortsetzung in zwei geplanten Forschungsprojekten

Aus der interdisziplinären Zusammenarbeit gingen zudem zwei BMBF-Förderanträge hervor. Die Forschenden wurden eingeladen, die Ergebnisse auf dem Weissenburg-Symposium der Leopoldina „Molekulargenetik und Ethik“ (7. bis 9. Oktober 2025) vorzustellen und mit den dort versammelten internationalen Expert*innen zu diskutieren.

„Die Bedeutung der sorgfältigen Auswahl möglichst passender Begriffe für all das Neue, das wir in unserer Forschung entdecken, war mir vorher nie so bewusst. Schließlich bleibt uns in den Naturwissenschaften oft gar nichts anderes übrig, als Metaphern zu nutzen, um neuentdeckte Vorgänge bei unseren meist submikroskopischen Forschungsobjekten zu beschreiben und neue Hypothesen zu formulieren. Dadurch tragen wir als Naturwissenschaftler jedoch auch eine Verantwortung gegenüber anderen Forschenden und der Öffentlichkeit, Metaphern so bedachtsam zu wählen, dass sie möglichst breit und nicht missverständlich verstanden werden“, sagt Professor Dübel.

Professor Heuser fügt hinzu: „Die genuin interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichte es uns, den epistemischen Beitrag von Metaphern zur wissenschaftlichen Kommunikation und Erkenntnisgewinnung systematisch zu untersuchen. Zugleich konnten wir analysieren, inwiefern neue wissenschaftliche Erkenntnisse die Umgestaltung von Metaphern und die Erneuerung der Wissenschaftssprache anstoßen. Dabei hat sich gezeigt, dass Metaphern in den Biotechnologien eng mit unserer Wahrnehmung der Konturen menschlichen Lebens, mit Funktionszuschreibungen, mit unseren Erkenntniszielen sowie mit moralischen Wertungen – und darüber hinausgehenden Aspekten – verschränkt sein können. Mit dem vorliegenden Tagungsband dokumentieren wir die Ergebnisse unserer bisherigen Forschungskooperation, und ich würde mich freuen, wenn wir die Arbeit an Metaphern fortsetzen.“

Text: Stefan Dübel & Stefan Heuser