28. August 2025 | Magazin:

Studieren in Nachkriegszeiten Ein persönlicher Blick ins Leben von Hans-Joachim Hartwig

Wie sah das Studium an der Technischen Universität Braunschweig vor 70 Jahren aus? Wie hat ein Student des Fachs Bauingenieurwesen sein Studium gemeistert, und was hat er anschließend mit seinem Fachwissen anfangen können? – Die Geschichte einer Universität besteht zu einem wesentlichen Teil auch aus den Erfahrungen ihrer Studierenden, aus ihrem Campusleben. Deshalb übernimmt das Universitätsarchiv nicht nur Unterlagen aus Fakultäten, Instituten und Verwaltungsstellen. Auch Nachlässe sollen künftig als Grundlage für die Uni-Geschichte dienen.

Studierende einer Messgruppe im Wald, 1951, fotoghrafiert von Hans-Joachim Hartwig. Bildnachweis: Hans-Joachim Hartwig

Hans-Joachim Hartwig (1929-2015) war einer dieser Studierenden. Er schloss 1954 sein Ingenieursstudium mit Diplom ab – darüber gibt die Prüfungsakte (UABS N 1 H 430) Auskunft. Noch während der Zeit an der Universität, 1952, heiratete er Johanna Hanke.

Im vergangenen Jahr erhielt das Universitätsarchiv von der gemeinsamen Tochter Christine Hartwig-Thürmer eine schöne Ergänzung für den Bestand: ein kleines Konvolut, das etwas über das Leben des späteren Oberingenieurs erzählt. Ein Mietquittungsbuch von 1953 bis 1955 für eine Wohnung in der Friedrichstraße ist darunter. Zwei Fotos zeigen seinen größten baulichen Erfolg, die Kaiserleibrücke zwischen Frankfurt a. M. und Offenbach. Die Brücke wurde unter Hartwigs Bauleitung von 1960 bis 1964 vom MAN Werk in Gustavsburg errichtet, 220 Meter lang überspannt sie seitdem als Teilstück der Autobahn A661 den Main.

Besonders schön sind die beigelegten Fotos, die einen bildlichen Eindruck von den Diplomstudierenden aus seiner Abschlussklasse geben – 1951 mit ihrem Professor Dr.-Ing. Egbert Theodor Harbert oder auf einem Ausflug zur Verkehrsausstellung in München.

Kaiserlei-Brücke über den Main, Frankfurt a. M., errichtet unter der Bauleitung von Hans-Joachim Hartwig. Bildnachweis: Hans-Joachim Hartwig

Neben der Bereitstellung der Dokumente hat Christine Hartwig-Thürmer einen Text verfasst, der das Leben und Studieren ihres Vaters in der Nachkriegszeit beschreibt und einen persönlichen Einblick in diese besondere Zeit und die weitere Entwicklung ihres Vaters erlaubt. Der Text ist ebenfalls im Archiv zu finden und lässt sich derzeit hier nachlesen.

Hartwigs Tochter meldete sich im Juli 2024 bei unserer Servicestelle Alumni & Career. Im Nachlass ihres Vaters hatte Sie die Dokumente und Fotos entdeckt und als Historikerin ihren Nutzen für unser Archiv erkannt. Schnell war ein persönlicher Übergabetermin mit dem Universitätsarchiv gefunden. Neben dem Treffen im Archiv blieb auch Zeit für ausführliche Gespräche und eine gemeinsame Campustour, die Frau Hartwig-Thürmer ein besonderes Anliegen war: „Ich möchte auch die Hochschule/Universität sehen, die meinem Vater die gute Grundlage für seine erfolgreiche Berufslaufbahn gegeben hat.“

Maike Stelter von der Servicestelle Alumni & Career bei der Campustour für Alumni*ae. Bildnachweis: Christine Hartwig-Thürmer

Die abgegebenen Unterlagen wurden in den Bestand G015 (Kleinere Nachlässe und Nachlassteile, G015 Nr. 41) übernommen und werden nun im Universitätsarchiv dauerhaft für die künftige Nutzung aufbewahrt.

Wer noch mehr zur Geschichte von Hans-Joachim Hartwig erfahren möchte, kann ein Kapitel über ihn in der Bibliothek der Generationen lesen oder dem Audiobeitrag von Christine Hartwig-Thürmer zur Kaiserlai-Brücke lauschen.

Text: Maike Stelter Tanja Wolf