12.12.2016 | Magazin:

Post aus … Kristianstad Studentin Elisaveta Lebedeva berichtet aus Schweden

Hier lebe ich momentan:
Momentan befinde ich mich in Schweden, in der kleinen Stadt Kristianstad.

Das mache ich in Kristianstad:
Ich studiere an der Högskolan Kristianstad (HKR). Erziehungswissenschaft gibt es hier als Studienfach nicht, weshalb ich an einem Programm für Lehramtsstudierende teilnehme.

Mein Aufenthalt dauert insgesamt:
Von Ende Juli 2016 bis Mitte Januar 2017.

Kristianstad
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Beim Herbstspaziergang in Näsby genieße ich die schwedische Landschaft. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Gruppenfoto am Åhus-Strand mit den internationalen Studierenden. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Hier habe ich das Einkaufszentrum "Emporia" in Malmö besucht. Bildanachweis: Elisaveta Lebedeva.

Kristianstad
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Ausflug nach Helsingborg mit tollem Ausblick über die Stadt. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Winterliche Atmosphäre auf unserem Unicampus. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Der Blick auf die berühmte Öresundbrücke, die Schweden und Dänemark verbindet. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Der wunderschöne Stockholmer Hafen bei Nacht. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Besuch des "Turning Torso" Museums in Malmö. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

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Auch einen Besuch wert: Das "Vasa" Museum in Stockholm. Bildnachweis: Elisaveta Lebedeva.

Das Leben vor Ort

So wohne ich in Kristianstad:
Eine Woche vor der Abfahrt bekam ich eine E-Mail, dessen Inhalt verriet, dass die geplante Unterkunft noch nicht fertig restauriert ist. Ersatzweise wurde ich zusammen mit anderen Studierenden in einem kleinen Dorf namens Broby untergebracht. Es gab eine zentrale Bushaltestelle, die von unserem „Wohnheim“ aus zwanzig Minuten zu Fuß entfernt war, dazu kam noch eine Dreiviertelstunde Busfahrt nach Kristianstad. Ich wohnte mehr als drei Wochen dort, das Gebäude war ein länger leer stehendes und ehemaliges Sanatorium, das vor unserer Ankunft als Geflüchtetenheim diente. Wir hatten eine Küche mit zwei Herden für 50 Personen, es war also etwas chaotisch und nicht immer hygienisch. Immerhin wurde uns das Busticket erstattet und die Unterkunft war kostenlos. Leider wurden wir Tag für Tag nur hingehalten und bekamen auf die Frage nach dem Stand der Dinge, nur „hopefully next week“, „HOPEFULLY in three days“ zu hören. Es war eine stressige Zeit, die uns jedoch sehr zusammengeschweißt hat.

Jetzt wohne ich in einem ehemaligen Gefängnis mitten in der Stadt. Es gibt unterschiedlich große Zimmer bis zu ungefähr fünfzehn Quadratmetern. Ich bin stolze Besitzerin eines knapp sechs Quadratmeter kleinen Zimmers, da auch die Preise nach der Größe variieren (zum Vergleich, meine Freundin bezahlt in Braunschweig für ihr 20 m² Zimmer ungefähr den gleichen Preis). Es reicht aus. Es gibt ein Hochbett, das gleichzeitig ein Tisch ist, und einen Schrank. Die Fenster sind vergittert und meine lassen sich leider nicht richtig schließen. Ich sitze wortwörtlich hinter schwedischen Gardinen. Die zweite und dritte Etage haben jeweils drei Flügel. Pro Flügel sind es etwa sieben bis zehn Zimmer, eine Küche, bis zu vier Toiletten und jeweils zwei Flure, die durch eine Tür getrennt sind. Pro Etage gibt es außerdem einen kleinen Waschraum mit einer Waschmaschine und einem Trockner sowie einen kleinen Aufenthaltsraum. Einmal pro Woche putzen Reinigungskräfte die Bäder und die Böden. Für Müll und die Sauberkeit der Küche sind wir selbst zuständig, was wesentlich besser funktioniert, wenn man eine WhatsApp Gruppe zum Dokumentieren der Unordnung  und einen funktionierenden Putzplan hat. Bis vor Kurzem hatten wir keine Heizung. Als diese endlich eingerichtet wurde, wurden einige Zimmer geflutet, meins leider auch. Das Internet wurde uns zur Verfügung gestellt, erreicht jedoch nicht alle Zimmer und funktioniert an manchen Tagen gar nicht. Ich liebe es dennoch heiß und innig und es entstehen geniale Prison Break Partys.

Was unterscheidet das Studieren in Schweden von dem in Deutschland?
Das Studium ist sehr autonom, die Menschen sind motiviert und arbeiten beziehungsweise lernen sehr selbstständig. Sie tragen hohe Verantwortung. Dies kommt vom frühen „das Lernen lernen“ in der Schule und ist quasi anerzogen. Gleichzeitig arbeiten sie langsamer und mit weniger Druck.

Besonders typisch für mein Aufenthaltsland ist:
Alle sprechen Englisch. Es gibt viel Natur und viel Waldfläche. Es wird um vier Uhr nachmittags schon dunkel. Alkohol ab 3,5% kann man nur in einem bestimmten Liquid-Store kaufen. Die Menschen sind hilfsbereit und Inklusion ist spürbar. Alle Straßen und Gebäude sind barrierefrei und es gibt kein Buffet, das kein vegetarisches, veganes, glutenfreies, laktosefreies Essen anbietet.

Das habe ich hier in den ersten drei Tagen gelernt:
Das befristete Leben in Schweden wird teuer. Die Menschen sind entspannt, können alle Englisch und werden dir so lange helfen, bis du eine Lösung hast. Man verbringt auf engstem Raum Zeit mit Menschen, mit denen man im gewöhnlichen Alltag den Kontakt nicht unbedingt aufsucht. Damit muss man umgehen können.

Die bisher größte Herausforderung während meines Aufenthaltes:
Die Nerven zu bewahren und mir den Auslandsaufenthalt von all den kleinen bis mittelgroßen, unnötigen Zwischenfällen nicht vermiesen zu lassen.

Das nehme ich von hier mit nach Hause:
Das Ritual eine „Fika“ zu machen, also nachmittags eine Entschleunigungspause einzulegen und dabei Kaffee und einen kleinen Snack zu sich zu nehmen. An Konsumgütern nehme ich einige Einrichtungsstücke mit. Das skandinavische Design ist minimalistisch-schön und gleichzeitig gemütlich und behaglich.

Gut zu wissen

Was kostet zu Beispiel ein Bier oder eine Cola in Kristianstad?
Eine Flasche Beck’s Pils kostet ca. 1,60 Euro und ein Erdinger Weißbier 2,40 Euro im Geschäft.

Wie begrüßt man sich in der Landessprache?
Hejsan! Hej!

Welches Fettnäpfchen sollte man in Kristianstad vermeiden?
Man bezahlt hier sogar Kleinbeträge mit Karte. Es ist also nichts Ungewöhnliches wenn man für einen Müsliriegel, der etwa 10 Kronen kostet, seine Karte zückt. Außerdem ist das Bahnunternehmen „Skanetrafiken“ gefühlt fünfmal unzuverlässiger als die Deutsche Bahn. Wenn man sich also irgendwo verabredet hat, dann kann man ruhig den Zug vor dem eigentlichen Zug nehmen. Und, auch wichtig: Man kommt hier in die meisten Diskotheken erst mit 23 rein, der Alkohol beim Feiern ist unbezahlbar und die Feten an sich gehen gar nicht so lange wie man es vielleicht gewohnt ist.