17. Juli 2023 | Magazin:

Post aus … Israel Masterstudentin Ruth Glebe ist für ein Forschungspraktikum nach Rehovot in Israel gereist

Allgemeine Informationen

Hier lebe ich momentan:

Ich habe insgesamt fünf Monate in Rehovot, einer mittelgroßen Stadt südlich von Tel Aviv in Israel, verbracht. Meinen Aufenthalt konnte ich mit dem Erasmus+ Stipendium für Auslandspraktika realisieren.

Das mache ich in Rehovot:

Ich habe ein Praktikum an der Hebrew University of Jerusalem, genau gesagt, an der Robert H Smith Faculty of Agriculture, Food and Environment, absolviert. Hier höre ich keine Vorlesungen, sondern arbeite im Labor der Arbeitsgruppe „Boden und Hydrologie“ von Prof. Dr. Nimrod Schwartz. Die geophysikalische Methode, die ich im Labor verwende, um Bodenproben zu untersuchen (Spektrale Induzierte Polarisation), kenne ich bereits aus Braunschweig. An der TU Braunschweig habe ich Sedimentproben aus Seen in Mexiko systematisch untersucht.

Hier versuche ich jetzt herauszufinden, wie sich das Messsignal verändert, wenn meine Bodenproben von Wasser durchflossen werden, oder wenn das Sediment unterschiedlich hydrophob (wasserabweisend) ist. Da es in Israel sehr trocken ist, dreht sich hier viel um das Thema Bewässerung. Unsere geophysikalischen Methoden können dabei helfen, die Bodenfeuchte effizient zu beobachten und so z.B. eine Grundlage für die intelligente Steuerung von Bewässerungssystemen schaffen.

Darum habe ich mich für einen Auslandsaufenthalt entschieden:

Ich wollte eine andere Umgebung kennenlernen, nachdem ich nun seit Beginn meines Bachelorstudiums vor allem in Braunschweig war. Israel und die Arbeitsgruppe von Nimrod Schwartz boten dann für mich die interessanteste Kombination aus einem reizvollen Land und einem spannenden Forschungsprojekt.

Leben vor Ort

So wohne ich in Rehovot:

Ich wohne hier in einem Wohnheim, direkt auf dem Campus. In meinem Gebäude sind wir rund 30 Frauen – und jede Menge Katzen. Ich habe mein eigenes Zimmer – Küche und Bad werden mit allen geteilt. Zum Büro und Labor muss ich nur zwei Minuten gehen. Der Weg führt über den Campus, der dank Bewässerungssystemen wunderbar grün ist.

Das Militär ist hier überall präsent, wobei es in meiner Stadt sehr friedlich war. Meistens habe ich die Soldaten in den öffentlichen Verkehrsmitteln gesehen, in denen sie selbst unterwegs waren und niemanden kontrolliert haben. Sicherheitskontrollen gibt es aber an jedem Bahnhof.

Im Alltag spielt der Konflikt eher eine kleine Rolle, d.h. in meinem Umfeld wurde teils über die Zustände und Lebensbedinungen geredet, aber es gibt für die meisten Menschen andere Themen, die stärker im Vordergrund stehen. Wenn es Anschläge gibt, ist das natürlich stärker ein Thema. So wurde beispielsweise zwischendurch von der Nutzung einer Straße abgeraten, die zu dieser Zeit unsicher war. Außerdem habe ich Raketenbeschuss mit Luftalarm während meiner Zeit in Rehovot miterlebt. Im Allgemeinen habe ich die Sicherheitslage in meiner Stadt aber als sehr gut wahrgenommen.

Hier sieht man mein Wohnheim auf dem Campus. Bildnachweis: Ruth Glebe

Hier fülle ich gerade Sand in einen Probenhalter ein. Bildnachweis: Matar Shema

Einer meiner vielen Ausflüge war eine Wanderung in den Golanhöhen. Hier ist ein Sonnenuntergang über dem See Genezareth zu sehen. Anfang April war dort noch alles grün. Bildnachweis: Ruth Glebe

Hummus! Dazu gibt es Brot, Falafel und eingelegtes Gemüse (z.B. Gurken, Karotten oder Kohl). Bildnachweis: Ruth Glebe

Ein typisches Schild in Israel, verfasst in drei Sprachen. Ein großer Teil des Landes, insbesondere im Süden, ist militärische Sperrzone. Bildnachweis: Ruth Glebe

Hier sieht man mich mit meinen beiden Betreuern. Links: Prof. Nimrod Schwartz, rechts: Prof. Matthias Bücker. Bildnachweis: Matthias Bücker

Eines meiner Experimente: In den Zylinder wurde Sand eingefüllt. Dadurch ist dann Wasser geflossen. Die Kabel im Hintergrund führen zum Messgerät. Bildnachweis: Ruth Glebe

Blick von Rehovot aus zum nächsten Ort mit den vielen Hochhäusern. Bildnachweis: Ruth Glebe

Der Blick von Tel Aviv Yafo über die Strände von Tel Aviv. Hier war ich oft. Der Strand war mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in einer Stunde zu erreichen. Es sieht zwar bewölkt aus, das ist aber Staub in der Luft. Nach einem Sand- und Staubsturm blieb es meist mehrere Tage so. Bildnachweis: Ruth Glebe

Was unterscheidet das Forschen in Israel von dem in Deutschland?

In meiner Arbeitsgruppe in Deutschland haben wir fast alle den gleichen fachlichen Hintergrund. Die Meisten studieren Physik, teils schon gemeinsam seit dem Bachelor. Hier bin ich in der Arbeitsgruppe die einzige Physikerin. Alle haben unterschiedliche wissenschaftliche Hintergründe wie Chemie, Hydrologie, oder Bodenwissenschaften. Das macht den Austausch untereinander sehr interessant.

Besonders typisch für mein Aufenthaltsland ist:

In Rehovot gibt es sehr viele Katzen. Auch auf dem Campus werden sie absichtlich gehalten. Inzwischen habe ich gelernt, dass sie die Schlangen fernhalten.

Außerdem gibt es hier die für Israel typischen hellen Häuser mit flachen Dächern. Und auch die Städte sind anders als in Deutschland. Selbst kleinere Städte haben viele Hochhäuser. Wenn man also auf einem Feld zwischen mehreren Orten steht, sieht man nicht, wie in Deutschland, viele rote Dächer, sondern einfach viele Hochhäuser rund herum.

Das habe ich hier in den ersten drei Tagen gelernt:

In vielen kleinen Einkaufsläden und auf dem Markt (in Rehovot – in anderen Städten ist die Situation anders) wird wenig Englisch gesprochen. Nach Hebräisch ist dort Russisch die nächste Wahl – und in arabischen Läden arabisch.

Die bisher größte Herausforderung während meines Aufenthaltes war …

Einerseits ist es die Sprache. Hebräisch ist für mich bisher die schwerste Fremdsprache, die ich begonnen habe zu lernen. Andererseits gibt es hier eine spezielle Wochenendsituation, die mich vor Herausforderungen stellt. In ganz Israel fahren von Freitagnachmittag bis Samstagabend keine öffentlichen Verkehrsmittel. Meine Wochenendreisen musste ich also vorher gut planen. Zwischen manchen Städten fahren zwar kleine Shuttles, in denen wird allerdings meist nur arabisch oder hebräisch gesprochen, sodass ich mich schwer verständigen konnte.

Das nehme ich von hier mit nach Hause:

Das wichtigste und wertvollste sind all die Erfahrungen und Erlebnisse, die ich machen durfte. Ganz viele Erinnerungen nehme ich mit, vor allem an neue Freundschaften und Reisen. Inzwischen ist mein Hebräisch auch gut genug, dass ich mich in einen Buchladen getraut habe. Dort habe ich einige leicht geschriebene Bücher gefunden, mit denen ich weiter üben kann.

Gut zu wissen

Diese landestypische Speise sollte man unbedingt probieren:

Natürlich Hummus (mit Falafel!) und Shawarma. Außerdem gibt es oft auf Märkten oder an den Straßen Stände mit Backwaren.

Welches Fettnäpfchen sollte man in Israel vermeiden?

Wie bereits oben erwähnt: Man sollte bloß nicht vergessen, Reisen am Wochenende gut zu planen, sonst kann es leicht geschehen, dass man nicht mehr an sein Ziel kommt. Die Moovit-App ist allerdings sehr hilfreich!

Diesen Tipp gebe ich anderen Studierenden/Forschenden, die ins Ausland gehen möchten:

Macht es auf jeden Fall, es lohnt sich! Fangt frühzeitig mit der Organisation an, gerade die Bewerbung für Stipendien oder Erasmus+ dauert eine Weile.

Speziell für Israel:

  • Die Bürokratie hier kann sehr nervig sein. Oft sind viele Telefonate nötig. Das fing bei mir schon mit der Botschaft für die Visumsbeschaffung an und ging mit der Uni weiter. Da hilft nur viel Durchhaltevermögen.
  • Für die öffentlichen Verkehrsmittel gibt es die RavKav-Karte, die man mit Geld auflädt und dann in allen Bussen und Zügen verwenden kann. Alternativ kann man auch direkt mit der Moovit-App bezahlen.
  • Kreditkarten sind hier weit verbreitet, nur auf Märkten ist teilweise Bargeld nötig.
  • Die beste Zeit, um nach Israel zu fahren, ist zwischen März und Mai – nach der Regenzeit im Winter, und bevor es im Sommer zu heiß wird.

Übrigens:

Während meines Aufenthaltes in Israel hat mich auch der Betreuer meines Projekts aus Braunschweig besucht. Prof. Dr. Matthias Bücker vom Institut für Geophysik und extraterrestrische Physik hatte mich auf das spannende Forschungsprojekt in Israel aufmerksam gemacht und den Kontakt hergestellt. Im Rahmen einer aus dem Erasmus+ Programm geförderten einwöchigen Lehrendenmobilität hielt er hier einen zweitägigen Kurs, in dem ich gemeinsam mit Studierenden der Hebrew University lernte, wie wir – mithilfe einer Finite-Elemente-Modellierung gemessene – geophysikalische Signale besser verstehen können. Natürlich nutzten wir die Zeit auch für einen intensiven Austausch über meine bisherigen Messergebnisse und die eine oder andere Exkursion zu geologischen Sehenswürdigkeiten des Landes.