20.02.2018 | Magazin:

Kulturkontakte für Studierende und Flüchtlingskinder Seminar „Interkulturelle Kommunikation“ erfolgreich fortgesetzt

Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien beim Spracherwerb und den Hausaufgaben zu unterstützen und selbst etwas für interkulturelle Kompetenz tun – diese Möglichkeit nutzen erneut rund zwanzig Studierende aller Fachrichtungen im Seminar „Interkulturelle Kommunikation“. Bereits zum dritten Mal wurde die besondere Lehrveranstaltung vom Institut für Volkswirtschaftslehre der TU Braunschweig angeboten.

Hinter dem Seminar von Professor Christian Leßmann und Professor Wael Adi verbirgt sich eine der außergewöhnlichsten Lehrveranstaltungen an der Carolo-Wilhelmina: Statt Literaturrecherche, Bücherstudium und Referaten können Studierende Leistungen im Bereich „Schlüsselqualifikationen“ erwerben, in dem sie ein Semester lang Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien auf den ersten Schritten in eine neue Lebenswelt begleiten. Im Wintersemester 2017/2018 fand das Seminar bereits zum dritten Mal in Kooperation mit Mona Al Masri vom Haus der Kulturen, unterstützt vom Bundesamt für Migration und Flüchlinge – Projekt Samo.fa, und dem Deutsch-Arabischen Bildungsverein statt.

Prof. Christian Leßmann vom Institut für Volkswirtschaftslehre, Mona Al Masri vom Haus der Kulturen Braunschweig e.V. und Prof. Wael Adi vom Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze. Bildnachweis: Jonas Vogel/TU Braunschweig.

Auswertung des dritten Seminars "Interkulturelle Kommunikation" im Institut für Volkswirtschaftslehre. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

Die 16-jährige Avin spielt bei der Abschlussveranstaltung im Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze für die rund 50 Studierenden, Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien. Bildnachweis: Jonas Vogel/TU Braunschweig.

Bildeten eines der zwanzig Tandems: Odai Al-Hamdi und Masterstudent Malte Neumeier. Bildnachweis: Jonas Vogel/TU Braunschweig.

Viel Freiheit, hoher Anspruch

Rund sechzig Studierende und ebenso viele Jugendliche und Kinder, zumeist aus Syrien, bildeten in den vergangenen drei Semestern jeweils zu zweit ein Tandem und absolvierten ein individuelles Programm. Was sich zunächst wie das Gegenteil des Studierendenalltags im Hörsaal oder der Bibliothek anhört, stellt hohe Ansprüche an die Studierenden. Denn das Seminar biete zwar eine große Freiheit in der Ausgestaltung der gemeinsamen Aktivitäten, das Programm jedoch werde von den Studierenden selbständig und individuell für jeden Tandempartner konzipiert, erklärt Professor Leßmann.

Von Kino bis Karriereberatung

Dabei unterstützen die Studierenden ihre Tandempartnerinnen und -partner nicht nur beim Spracherwerb. Sie helfen auch in der Schule, bei den Hausaufgaben oder bei der Vorbereitung auf Tests und Klausuren. Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten stehen auf dem Plan. Wie und in welcher Form die Kinder und Jugendlichen unterstützt werden, ist bei jedem Tandempaar anders. Ebenso vielfältig wie die Studierenden, mit ihren verschiedenen Fächern und persönlichen Hintergründen, seien es auch die Kinder und Jugendlichen, erklärt Christian Leßmann. Das zeigen auch die Abschlusspräsentationen der Studierenden zum Seminarende und die gemeinsame Abschlussveranstaltung, die dieses Mal in den Räumen des Instituts für Datentechnik und Kommunikationsnetze stattfand.

Mehr als drei Leistungspunkte

Unter den mehr als 50 Studierenden, Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien waren auch Malte Neumeier und Odai Al-Hamdi. Der Masterstudent im 1. Semester des Studienganges Technologie-orientiertes Management unterstützte den Jugendlichen, der im Jahr 2015 allein aus seiner syrischen Heimat fliehen musste. Der 23-jährige Odai strebt ein Medizinstudium an und muss dafür noch einige Hürden nehmen, wie etwa eine DSH-Sprachprüfung. Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen, konzipierte Neumeier ein individuelles Programm, setzte sich mit den Prüfungsbestandteilen auseinander und entwickelte ein Training für Odai. Daneben brachten sie sich in ihrer Freizeit die Küche ihrer Heimatländer näher, trieben Sport oder trafen sich mit Freunden. Der Einblick in eine andere Kultur, die Offenheit und Herzlichkeit, mit denen sich beide begegneten, wird beide weiterhin begleiten. In jedem Falle möchte Malte Neumeier den Weg seines Freundes Odai weiter verfolgen und drückt schon jetzt die Daumen für die nächste Prüfung.