14. Januar 2025 | Magazin:

„In jedem von uns steckt unternehmerisches Potenzial“ Bastian Kindermann ist neuer Professor für Unternehmensgründung und -nachfolge

Seit dem Wintersemester 2024/25 forscht und lehrt Professor Bastian Kindermann am Institut für Automobilwirtschaft und Industrielle Produktion (AIP) der Technischen Universität Braunschweig. Zuvor war er als Assistenzprofessor an der Technischen Universität Dortmund tätig. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Themen rund um Unternehmertum, Digitalisierung, Innovationsökosysteme und Strategie. An welchen konkreten Projekten er arbeitet und was ihn dazu bewogen hat, in diesem Bereich zu forschen, erzählt er im Interview.

Bastian Kindermann ist neuer Professor für Unternehmensgründung und -nachfolge. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Sie haben in den vergangenen Jahren an der RWTH Aachen und der TU Dortmund gelehrt und geforscht. Was reizt Sie an der TU Braunschweig?

An Technischen Universitäten wird viel Wert auf eine enge Verzahnung von wirtschafts-, natur- und ingenieurswissenschaftlichen Fächern gelegt. In Forschung und Lehre ist die daraus entstehende Zusammenarbeit sehr produktiv. Nach meinen vorhergehenden Stationen in Aachen und Dortmund hat es mich deshalb sehr gefreut, dass ich mit der Professur an der TU Braunschweig weiterhin an einer technisch orientierten Universität arbeiten darf.

Als Mitglied der TU9 Gruppe ist die TU Braunschweig in ein starkes Universitätsnetzwerk eingebettet, wodurch sich spannende Gestaltungspotenziale ergeben. Zudem setzt die Wahl der universitätsweiten Forschungsschwerpunkte, insbesondere „Mobilität“ und „Engineering for Health“, einen zukunftsweisenden Rahmen für die Aktivitäten in Forschung und Lehre.

Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung? Wie würden Sie Ihre Arbeit einer Person erklären, die nicht mit dem Thema vertraut ist?

Aktuell bewege ich mich mit meiner Forschung vor allem im Bereich des Unternehmertums. Als Triebfeder für Innovationen spielt Unternehmertum eine essenzielle Rolle in der Entwicklung von Volkswirtschaften. Erfolgreiche Unternehmer*innen stellen bisherige Strukturen und Technologien infrage und ersetzen diese schließlich durch neue. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hat Unternehmertum daher als einen Prozess beschrieben, der zu einer „schöpferischen Zerstörung“ führen kann (1934).

In meiner Arbeit untersuche ich die Rahmenbedingungen, unter denen unternehmerische Prozesse möglichst erfolgreich gestaltet werden können. Insbesondere in den frühen Entwicklungsphasen sind junge Unternehmen stark von Investor*innen und anderen externen Stakeholdern abhängig. Ein Verständnis davon zu entwickeln, wie Unternehmer*innen ihre Beziehungen zu diesen Stakeholdern ausgestalten sollten, kann daher für junge Unternehmen überlebenswichtig sein.

Präsidentin Angela Ittel mit Professor Bastian Kindermann und Professor Markus Ludwig, Sprecher des Departments der Wirtschaftswissenschaften der Carl-Friedrich-Gauß-Fakultät. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Was sind die Hauptforschungsbereiche und -projekte, an denen Sie an der TU Braunschweig arbeiten werden?

Mit den technologischen Entwicklungen der letzten Jahre stellt sich zunehmend die Frage, inwiefern Künstliche Intelligenz (KI) auch unternehmerische Prozesse unterstützen kann. Die Forschung dazu steht noch ganz am Anfang, sodass in vielerlei Hinsicht Unklarheit bezüglich der Nutzbarkeit von KI im unternehmerischen Kontext herrscht. Hier möchte ich mit meiner Forschung einen Beitrag leisten und so bestenfalls Unternehmer*innen helfen, die Chancen aber auch Risiken von KI-gestütztem Unternehmertum zu verstehen.

Darüber hinaus möchte ich branchenspezifische Herausforderungen bei der Entwicklung junger Unternehmen untersuchen. Beispielsweise können Start-ups im Bereich der Finanztechnologie einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der finanziellen Inklusion bisher marginalisierter Gruppen leisten. Um dieses Versprechen einzulösen, brauchen diese Start-ups jedoch Strategien, mit denen sie sowohl Wachstumsambitionen als auch den hohen regulatorischen Anforderungen der Finanzbranche gerecht werden können. Das bisherige Wissen zu derartigen Strategien ist begrenzt und muss noch weiter ausgebaut werden.

Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?

Ich bin der Überzeugung, dass in jedem von uns ein unternehmerisches Potenzial steckt. Wenn wir die großen Herausforderungen der heutigen Zeit meistern wollen, müssen wir möglichst viel von diesem „kollektiven“ Potenzial freisetzen und Wege aufzeigen, wie Unternehmertum gelingen kann. Forschende können dazu einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie Theorien und Best Practices zu verantwortungsvollem Unternehmertum entwickeln und dieses Wissen in ihren Lehrveranstaltungen weitergeben.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?

Entdecken, Lernen, Gestalten.

Vielen Dank!