4. November 2026 | Magazin: ,

Im Studium das Fliegen lernen Akaflieg ermöglicht Studierenden Erwerb einer Fluglizenz

Flugzeuge selbst bauen und dann abheben? Bei der Akaflieg Braunschweig tauschen Studierende die Theorie gegen Werkstatt und Flugplatz. Unter dem Motto „Forschen, bauen, fliegen“ dreht sich in der Initiative der Technischen Universität Braunschweig alles um die Faszination der Luftfahrt. Die „Akademische Fliegergruppe“ bietet Studierenden und Auszubildenden die Gelegenheit, Flugunterricht zu nehmen und Segelflugzeuge sowie Flugzeugteile zu entwickeln, zu bauen und zu verbessern.

Mit einem Auto ziehen Akaflieg-Mitglieder das Segelflugzeug auf den Flugplatz. Heute ist das Wetter nicht ganz perfekt für einen Flug. Die Sonne scheint, aber es sind etwas zu viele Wolken am Himmel. Da es das letzte Flugwochenende dieser Saison ist, möchten sie trotzdem fliegen.

Devid Schmidt studiert Maschinenbau und engagiert sich seit Beginn seines Studiums bei Akaflieg. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Neben regulären Segelflugzeugen besitzt Akaflieg auch einen Motorsegler. Bilnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Tim Stichweh (links) und Devid Schmidt lernten sich bereits vor Beginn ihres Studiums im Segelflugverein ihrer Heimat kennen. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Für die TU Braunschweig entschieden sie sich auch wegen der Möglichkeit, der Akaflieg beizutreten. Beide sind seit etwa zwei Jahren aktive Mitglieder in der studentischen Fliegergruppe. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Zum Segelflugverein gehören neben einer Werkstatt auch Hallen, in denen die Flugzeuge stehen. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

In ihrer Werkstatt wartet Akaflieg die Flugzeuge im Winter, um sie wieder fit für die nächste Flugsaison zu machen. Bildnachweis: Kristina Rottig/TU Braunschweig

Tim Stichweh und Devid Schmidt studieren Maschinenbau und sind seit ihrem ersten Semester dabei. Sie haben sich bereits vor Beginn ihres Studiums kennengelernt und waren im Segelflugverein ihrer Heimat aktiv. Bei der Suche nach einem geeigneten Studium entschieden sie sich schließlich für die TU Braunschweig – nicht zuletzt wegen der Akaflieg. Der Segelflugverein steht allen Studierenden offen: „Akaflieg ist für jeden spannend, der sich für Luftfahrt interessiert“, sagt Tim Stichweh, der erste Vorsitzende des Vereins. Die studentische Fliegergruppe existiert bereits seit über 100 Jahren. Aktuell hat der Verein zehn feste, aktive Mitglieder. Nach Abschluss ihres Studiums bleiben viele passive Mitglieder im Verein und tragen so zur Finanzierung bei.

Fliegen mit selbstgebauten Flugzeugen

Momentan besitzt der Verein acht Flugzeuge. Viele davon haben die Mitglieder selbst gebaut oder gebraucht gekauft und wiederhergerichtet. Auch eine Flugausbildung können die Studierenden bei Akaflieg absolvieren. Da die Fluglehrer*innen ehrenamtlich arbeiten und der Flugbetrieb nur in den Sommermonaten möglich ist, dauert die Ausbildung durchschnittlich zwei Jahre. Anschließend fliegen sie selbstständig teils lange Routen – wenn die Thermik stimmt: „Wir wollten einmal einen Flug bis nach Berlin und wieder zurück absolvieren, mussten aufgrund fehlender Aufwinde jedoch auf dem Rückweg vorzeitig landen“, erzählt Tim.

Die Werkstatt ist das Herzstück des Vereins

Für viele Mitglieder stehen aber auch das Vereinsleben und die Werkstattarbeit an erster Stelle. In der Werkstatt wird vor allem über den Winter die meiste Arbeit verrichtet, wenn wetterbedingt keine Segelflüge möglich sind. „Die technische Arbeit ist außerdem ein sehr guter Ausgleich für den theoretischen Teil des Studiums“, sind sich Tim und Devid einig.

Auch außerhalb des Vereins treffen sich die Mitglieder und besuchen andere Akafliegs. Sie unternehmen Ausflüge zur Luftfahrtmesse und zum Deutschen Museum in Schließheim, wo ihr eigenes Flugzeug, die SB13, ausgestellt ist. Mit dem Segelflugzeug SB10 haben sie sogar einen Weltrekord aufgestellt: Es war nämlich lange Zeit das größte Segelflugzeug der Welt.

Zusätzlich besuchen sie regelmäßig Veranstaltungen der Idaflieg, dem Dachverband aller akademischen Fliegergruppen in Deutschland. Für Tim steht insbesondere das Knüpfen von Freundschaften und das Netzwerken im Mittelpunkt. Viele ehemalige Mitglieder haben nach Abschluss ihres Studiums aufgrund ihres Engagements bei der Akaflieg eine Stelle gefunden. Gleichzeitig unterstützen Firmen und Partner den Segelflugverein beim Bau von Prototypen und bei der Zulassung neuer Flugzeuge.

Nachhaltige Baumaterialien für Flugzeuge

Was ihr nächstes Projekt sein wird, entscheiden sie gemeinsam. Aktuell arbeiten die Mitglieder an einem Naturfaserprojekt. Statt Glasfasern oder Kohlefasern beim Bau der Segelflugzeuge zu verwenden, wollen sie nach Möglichkeiten suchen, nachhaltigere Flachsfasern zu nutzen. Bis vor kurzem hat der Verein an dem Prototypen SB15 gearbeitet. Der Bau des Flugzeugs musste jedoch aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Materialien nach 20 Jahren eingestellt werden. Mittlerweile baut Akaflieg eher an kleineren Projekten. Für größere Projekte bräuchten sie mehr Mitglieder: „Der Bau von Segelflugzeugen ist dadurch in den vergangenen Jahren leider ziemlich schwierig geworden“, erzählen Tim und Devid.

Neue Mitglieder sind willkommen

Auch deswegen ist der Verein immer auf der Suche nach neuen, flugbegeisterten Studierenden. Voraussetzungen sowie bestimmte Vorkenntnisse oder Fähigkeiten sind nicht notwendig. „Ein Maschinenbau- oder Luftfahrttechnikstudium ist keine Bedingung, um bei Akaflieg Mitglied zu werden“, betont Tim. Aktuelle Mitglieder studieren beispielsweise Lehramt oder Elektrotechnik.

Wer Mitglied bei Akaflieg werden oder sich erst einmal informieren möchte, kann am 6. November 2026 zu einem Infoabend in die Werkstatt von Akaflieg kommen. Da der Infoabend auf dem Gelände des Braunschweiger Flughafens stattfindet, bittet der Verein um vorherige Anmeldung per E-Mail oder über den Instagram-Kanal der Akaflieg.