27.07.2017 | Magazin:

Ausprobiert: Quidditch als Hochschulsport Neues Angebot im Sportzentrum

Gleich vorweg: Nein, die Spielerinnen und Spieler beim Quidditch fliegen nicht auf ihren Besen über das Spielfeld. Dass die Sportart dennoch richtig Spaß macht und zugleich extrem anspruchsvoll ist, beweist unser Selbstversuch.

Bekannt ist Quidditch wohl vor allem Leserinnen und Lesern der Fantasy-Reihe „Harry Potter“ von Autorin J. K. Rowling. In ihren Romanen ist Quidditch die beliebteste Sportart in der Zaubererwelt. In der realen Welt ist Quidditch im Jahr 2005 entstanden. Entwickelt wurde die Spielform für uns „Muggel“ (nicht-magische Menschen) von zwei Studenten des Middlebury College im US-Bundesstaat Vermont. Bereits im Jahr 2007 wurde die International Quidditch Association gegründet. Seitdem gewinnt Quidditch beständig an Beliebtheit und ist auch in der deutschen Sportlandschaft angekommen. Circa vierzig deutsche Quidditchteams gibt es im Jahr 2017, darunter sind seit dem vergangenen Jahr auch die Braunschweiger Broomicorns.

Zu sehen ist ein Spieler mit dem Besen in der einen Hand, und dem Ball in der anderen Hand.

Laufen mit einem Besen in der Hand braucht ein wenig Übung. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

Eingegliedert ist das Quidditch-Team im Turn- und Rasensportverein Braunschweig e.V. und seit dem Sommersemester 2017 ist Quidditch auch im Sportprogramm des Sportzentrums der TU Braunschweig enthalten.

Beim ersten Training des Semesterferienprogramms waren wir mit dabei und haben uns selbst auf dem Besen probiert. Zu Beginn des zweistündigen Trainings steht ein lockeres Aufwärmen auf dem Programm – wichtig, um das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Anschließend geht es für die Quidditch-Neulinge zum Anfänger-Training mit Trainer René Nowag. Wir absolvieren erste Übungen auf dem „Besen“ – eigentlich ist es eine Kunststoff-Stange, die jeder Spieler und jede Spielerin zwischen die Oberschenkel klemmen muss – und lernen die drei Bälle beim Quidditch kennen. Tore werden mit dem „Quaffel“ (Volleyball) erzielt, die drei „Klatscher“ (Dodgebälle) dienen dazu, den Gegner im Spielfluss zu stören und der Schnatz (ein Tennisball in einer gelben Socke, befestigt an der Hose des neutralen Schnatzläufers) beendet die Partie, sobald er gefangen wird. Am Ende einer Partie gewinnt das Team mit den meisten Punkten. Zehn Punkte bringt jeder Treffer durch einen der drei Ringe der gegnerischen Mannschaft, der Fang des Schnatzes bedeutet dreißig Punkte.

Mit dem Besen auf Torejagd

Um das Basiswissen zu vervollständigen, erklärt uns Trainer Nowag, welche Positionen es beim Quidditch gibt. Jedes Team schickt sieben Spielerinnen und Spieler (Quidditch ist ein gemischtgeschlechtlicher Sport) aufs Feld. Drei Jäger versuchen so viele Tore wie möglich zu erzielen, der Hüter verteidigt die eigenen Ringe, die Treiber werfen die Klatscher auf die gegnerischen Spieler, um diese zu stören und der Sucher versucht den Schnatz zu fangen. Das Reglement beim Quidditch ist extrem umfangreich – beim ersten Training reicht es wirklich nur für das Basiswissen. Wichtig zu wissen: Quidditch ist eine Kontaktsportart und so wurden Elemente aus dem Rugby übernommen – zaghaft geht es auf dem Rasen also nicht zu. Umso freundschaftlicher ist dafür der Umgang der Teammitglieder untereinander und auch mit den Gegnern. Pauline Friel, die vom ersten Tag an mit im Team dabei ist, versichert: Quidditch ist ein freundlicher und fairer Sport, der auch für alle Körpertypen geeignet ist. Egal ob schnell oder langsam, groß oder klein, es gibt für jeden eine geeignete Position auf dem Spielfeld. “ Einzige Voraussetzung, um im Team aufgenommen zu werden, ist das Mindestalter von 16 Jahren. Harry Potter-Fan muss man nicht sein, darf es aber natürlich.

Quidditch
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Das Aufwärmen findet auch beim Quidditch noch ohne Besen statt. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Anschließend werden die Torringe aufgestellt. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Trainer René Nowag erklärt die Grundelemente der Sportart. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Wurf- und Fangübungen auf dem Besen stehen zu Beginn des Trainings auf dem Programm. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Erste taktische Übungen: Der Jäger (rechts) versucht die Treiberin (links) zu überwinden, um ein Tor zu werfen. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Jeder Treffer durch die Torringe bringt dem eigenen Team 10 Punkte ein. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Tore können von beiden Seiten durch die Ringe geworfen werden. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Spielszene: Die Jägerin (links) befindet sich im Angriff. Bildnachweis: TU BRaunschweig/Jonas Vogel.

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Körperbetontes Spiel: Das Tackeln des Gegners ist erlaubt. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Auch beim Quidditch gibt es Fouls und Strafen. Das Regelwerk ist extrem umfangreich. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

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Wer vom Klatscher getroffen wird, muss vom Besen steigen und die eigenen Torringe berühren. Danach ist der Spieler wieder im Spiel. Bildnachweis: TU Braunschweig/Jonas Vogel.

Während unsere Anfängergruppe sich noch mit den Besen anfreundet, geht es auf der anderen Hälfte des Platzes schon weitaus professioneller zu. Passübungen und Spielzüge stehen auf dem Programm. Die Braunschweiger Broomicorns spielen nicht nur zum Spaß, sondern treten auch in der Norddeutschen Liga an. Bisher gibt es in Deutschland nur eine Liga, die nach Regionen aufgeteilt ist. Zum Abschluss der Übungseinheit gibt es noch ein Trainingsspiel. Auch wir Anfängerinnen und Anfänger dürfen mitmachen und sind völlig überfordert. „Macht nichts“, sagt René Nowag, „am besten versteht man das Spiel, wenn man mittendrin ist, aber das braucht eben einige Zeit.“ Am Ende des Trainings versammeln sich noch einmal alle Teammitglieder in der Mitte des Feldes, bilden einen Kreis und brüllen den Teamnamen „Broomi – CORNS, Broomi – CORNS, Broomi – CORNS“ als Schlachtruf in den Abend heraus. In diesem Moment kommt das Harry-Potter-Gefühl tatsächlich auf. Die Zaubereischule Hogwarts ist aber nicht mehr die einzige mit einem Quidditch-Angebot, auch Studierende der TU Braunschweig können mit dem Besen auf Torejagd gehen.