26. Februar 2026 | Notizblog

Unkrautkontrolle im Wandel – Internationale Fachwelt tagt in Braunschweig

Vom 24. bis 26. Februar 2026 wurde Braunschweig erneut zum Zentrum der herbologischen Forschung: Zur 32. Deutschen Arbeitsbesprechung über Fragen der Unkrautbiologie und -bekämpfung kamen 150 Teilnehmende aus sechs Ländern im Haus der Wissenschaft zusammen. Die traditionsreiche Tagung wurde gemeinsam vom Julius Kühn-Institut (JKI), dem Institut für Pflanzenbiologie der Technischen Universität Braunschweig sowie dem Arbeitskreis Herbologie der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft ausgerichtet.

32. Unkrauttagung im Haus der Wissenschaft in Braunschweig, Februar 2026. Bildnachweis: Robert Hänsch/TU Braunschweig

Bereits die Auftaktveranstaltung setzte einen besonderen Akzent: In einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Darf man eigentlich noch ‚Unkraut‘ sagen?“ wurden fachliche, gesellschaftliche und sprachliche Perspektiven auf den Begriff und seine Bedeutung beleuchtet. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Sabine Andert (JKI). Prof. Dr. Jan Standke (TU Braunschweig) und Dr. Horst-Henning Steinmann (Universität Göttingen) unterfütterten die Debatte mit pointierten Impulsen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln. Der interdisziplinäre Austausch zeigte eindrucksvoll, wie eng naturwissenschaftliche, agronomische und gesellschaftliche Fragestellungen miteinander verwoben sind.

Das umfangreiche wissenschaftliche Programm umfasste acht Sektionen und spiegelte die thematische Breite der modernen Unkrautforschung wider: von Biodiversitätsmanagement und Unkrautbiologie über integrierte und kulturtechnische Verfahren der Unkrautkontrolle bis hin zu Herbizidinnovationen, Langzeitdaten und Fragen der Herbizidresistenz. Deutlich wurde, vor welchen agronomischen, technischen und ökologischen Herausforderungen die Pflanzenproduktion steht – und wie vielfältig die Lösungsansätze sind: Sie reichen von digitalen Technologien und KI-gestützten Anwendungen über alternative, herbizidreduzierte Systeme bis hin zu chemisch-synthetischen Wirkstoffen und systemischen Langzeitbeobachtungen.

Ein weiteres einleitendes Referat widmete sich der ökonomischen Perspektive herbizidfreier Anbausysteme und ergänzte die naturwissenschaftlichen Beiträge um betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Die Postersektion bot Raum für intensive Fachdiskussionen, während Exkursionen – unter anderem zu Forschungsprojekten des JKI und in die Gewächshäuser des Botanischen Gartens der TU Braunschweig – Einblicke in aktuelle Forschungsinfrastrukturen ermöglichten

Die Tagung zeigte eindrucksvoll: Nachhaltiges Unkrautmanagement erfordert interdisziplinäre Ansätze, internationale Zusammenarbeit und den offenen Dialog zwischen Forschung, Beratung, Industrie und Praxis. Mit ihrer Kombination aus wissenschaftlicher Tiefe, gesellschaftlicher Einordnung und persönlichem Austausch setzte die 32. Unkrauttagung wichtige Impulse für die zukünftige Ausrichtung der herbologischen Forschung.

Dr. Lena Ulber (JKI), Prof. Robert Hänsch (TU Braunschweig)