Warum verantwortungsvolles Handeln kein „Nice-to-have“ mehr ist Ann-Marie Ingrid Nienaber ist neue Professorin für Unternehmensethik, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel
Wie treffen Organisationen Entscheidungen unter hohem Druck und knappen Zeitfenstern, wenn unter anderem Künstliche Intelligenz Prozesse beschleunigt – und die Konsequenzen weit über das eigene Unternehmen hinausreichen? Und wie können Verantwortung, Vertrauen und ethisches Entscheiden unter diesen Bedingungen funktionieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Ann-Marie Ingrid Nienaber, neue Professorin für Unternehmensethik, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel am Institut für Unternehmensführung und Organisation der Technischen Universität Braunschweig. Im Interview erklärt Professorin Nienaber, warum Unternehmensethik, Verantwortung und Nachhaltigkeit längst zu Treibern des gesellschaftlichen Wandels geworden sind.
Warum haben Sie sich für die TU Braunschweig entschieden?
Die TU Braunschweig bietet ein hervorragendes interdisziplinäres Umfeld, in dem technologische Innovation, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung eng miteinander verknüpft sind. Besonders überzeugt hat mich die Möglichkeit, ethische und nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen in aktuellen Transformationsprozessen zu verankern – etwa dort, wo neue Technologien wie Künstliche Intelligenz Entscheidungsprozesse verändern. Diese Verbindung von Technik, Organisation und Verantwortung macht die TU Braunschweig zu einem idealen Ort für meine Arbeit.
Womit genau beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung? Wie würden Sie Ihre Arbeit einer Person erklären, die nicht mit dem Thema vertraut ist?
In meiner Forschung untersuche ich, wie Organisationen verantwortungsvoll handeln können – insbesondere in Zeiten von tiefgreifendem Wandel. Es geht darum, wie Werte, Vertrauen und ethische Prinzipien Entscheidungen prägen und wie daraus konkretes Verhalten entsteht. Das betrifft klassische Organisationsfragen ebenso wie neue Kontexte, zum Beispiel den Umgang mit KI-gestützten Entscheidungssystemen oder nachhaltigen Innovationsprozessen. Der Mensch und seine Verantwortung stehen dabei stets im Mittelpunkt.
Was sind die Hauptforschungsbereiche und -projekte, an denen Sie an der TU Braunschweig arbeiten werden?
Meine Arbeit an der TU Braunschweig konzentriert sich auf drei zentrale Schwerpunkte: Unternehmensethik und gesellschaftliche Verantwortung, insbesondere in Transformations- und Krisensituationen. Vertrauen, Werte und Verhalten in Organisationen, auch im Zusammenspiel mit digitalen und KI-basierten Systemen und Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Wandel, mit Fokus auf langfristige Wirkung, Akzeptanz und Governance.
Diese Themen bearbeite ich in internationalen Forschungsprojekten sowie im Dialog mit Praxispartnern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft.

Professorin Ann-Marie Ingrid Nienaber mit dem Vizepräsidenten für Digitalisierung und Nachhaltigkeit der TU Braunschweig, Manfred Krafczyk. Bildnachweis: Jessica Lüders/TU Braunschweig
Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Bereich zu forschen?
Mich treibt die Frage an, warum Organisationen heute scheinbar so genau wissen, was verantwortungsvolles Handeln bedeutet – und dennoch gerade dann scheitern, wenn der Druck am größten ist. In Zeiten tiefgreifender Transformationen, sei es durch Nachhaltigkeitsanforderungen, geopolitische Krisen oder den Einsatz neuer Technologien wie KI, werden Entscheidungen immer schneller, komplexer und folgenreicher. Genau hier zeigt sich, ob Werte und ethische Prinzipien tatsächlich handlungsleitend sind oder nur auf dem Papier stehen.
Meine Forschung setzt genau hier an. Sie will sichtbar machen, wie Verantwortung, Vertrauen und ethisches Entscheiden unter realen Bedingungen funktionieren können – in Organisationen, die wirtschaftlich bestehen müssen, und in einer Gesellschaft, die von diesen Entscheidungen unmittelbar betroffen ist. Denn verantwortungsvolles Handeln ist heute kein „Nice-to-have“ mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung für langfristige Legitimität, Vertrauen und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in drei Schlagworten aus?
Interdisziplinär, international, zukunftsorientiert.
