Post aus … Braunschweig Besuch von der University of Tennessee at Martin
Ende des vergangenen Jahres besuchte Dr. ZeVida Jones von der University of Tennessee at Martin (UTM) als Gastdozentin das Institut für Erziehungswissenschaft der TU Braunschweig. Ihr Aufenthalt fand im Rahmen des DAAD-geförderten Projektes „Lehramt.International Go out, Come in 2.0“ statt. In „Post aus Braunschweig berichtet sie über ihre Erfahrungen an der TU Braunschweig.
Allgemeine Informationen
Das habe ich in Braunschweig gemacht:
Ich habe im Rahmen der erziehungswissenschaftlichen Seminare an der TU Braunschweig mehrere Gastvorträge gehalten, in denen ich die Themen Inklusion, nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goal 4 – Hochwertige Bildung), Sonderpädagogik, Schulberatung, multiprofessionelle Teamarbeit sowie die Unterschiede zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen Schulsystem beleuchtet habe.

Ein spannender Workshop zu KI-Avataren in virtuellen Lernumgebungen unter der Leitung von Dr. Lukas Dehmel (rechts). Bildnachweis: Daniel Fehrentz/TU Braunschweig
Dabei habe ich Einblicke in meine Forschung zu Studierenden der ersten Generation afroamerikanischer Herkunft an Colleges gegeben.
Darüber hinaus nahm ich an einem Meeting mit Dr. Lukas Dehmel im Digital Lab „The Basement“ des Georg-Eckert-Instituts teil, in der ich am Workshop „AI Avatars in Virtual Reality Learning Environments“ mitgewirkt habe. Die Veranstaltung bot mir die Gelegenheit, zu untersuchen, wie neueste Technologien die Bildung weltweit verändern.
Deshalb habe ich mich entschieden, an die TU Braunschweig zu kommen:
Ich hatte die Ehre, im Rahmen der DAAD–Lehramt.International-Partnerschaft zwischen der University of Tennessee at Martin und der TU Braunschweig als Gastdozentin tätig zu sein. Obwohl die UTM in diesem Jahr keine Studierendengruppe ins Ausland entsandt hat, bot mir die Einladung eine wertvolle Gelegenheit, unsere internationale Zusammenarbeit und den akademischen Austausch weiter zu vertiefen.
Das wusste ich über Braunschweig und die TU Braunschweig, bevor ich angereist bin:
Ich kannte die TU Braunschweig bereits für ihre ausgeprägte Forschungskultur und die offene internationale Gemeinschaft. Im Juni 2024 war ich erstmals im Rahmen des UTM-Travel-Study-Programms zu Besuch und nun wieder hierher als Gastdozentin zurückzukehren, hatte für mich eine besondere Bedeutung.
Leben vor Ort
So sahen meine Tage hier in Braunschweig aus:

Hier habe ich mit Dr. Kenton Barnes (links) die Christian Hope Church Braunschweig besucht. Bildnachweis: ZeVida Jones/TU Braunschweig
Meine Tage hier waren auf die beste Weise sehr gut ausgefüllt. Ich habe Lehrveranstaltungen gehalten, Vorträge vorbereitet, mich mit Fachkolleg*innen getroffen, von Studierenden gelernt und den Campus erkundet. Auf dem Weg zum MediaLab in der Pockelsstraße 4 fiel mir ein afrikanischer Laden auf, der gleichzeitig als Kosmetik- und Lebensmittelgeschäft diente. Auf dem Rückweg hielt ich an und kaufte Gewürze sowie Süßigkeiten zum Mit-nach-Hause-Bringen. Es tat gut, so weit weg von zu Hause einen Hauch kultureller Vertrautheit zu entdecken. Außerdem hatte ich ein tolles Abschiedsessen im „Zu den Vier Linden“ mit Prof. Dr. Katja Koch, Daniel Fehrentz und Lisa-Katharina Möhlen. Die Gespräche, das Lachen und die Herzlichkeit der drei machten den Abend unvergesslich.
So habe ich in Braunschweig gewohnt:
Ich habe mich bewusst für die Miete einer Privatwohnung statt für ein Hotel entschieden, weil mir ein gemütliches, heimeliges Ambiente wichtig war. Ich habe auf dem Wochenmarkt eingekauft, den Kühlschrank gefüllt und mir im Laufe der Woche meine Mahlzeiten selbst zubereitet.
Diese Unterschiede sind mir in den Bereich Studium und Forschung zwischen Deutschland und den USA aufgefallen:
- Anwesenheitsregeln: In vielen deutschen Vorlesungen und Seminaren ist die Teilnahme freiwillig, während in den USA meist eine verbindliche Anwesenheit verlangt wird.
- Terminologie: Der Begriff „First-Generation-College-Student“ ist in den USA weit verbreitet, in Deutschland jedoch kaum bekannt oder wird anders bezeichnet.
- Aufgaben der Schulberatung: In den USA gibt es in nahezu allen K–12-Schulen (Kindergarten bis Klasse 12) fest angestellte School Counselors. In Deutschland sind vergleichbare Aufgaben auf Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte und andere Stellen verteilt.
Was unterscheidet den Alltag in Deutschland von dem in meiner Heimat?
Ich habe mich in Deutschland in einem ruhigeren Tempo bewegt. Die fußläufige Erreichbarkeit der Stadt, der öffentliche Nahverkehr und ein bewusst gelebter Tagesrhythmus bildeten eine friedvolle Hintergrundkulisse für meinen Arbeitsalltag.
Das habe ich während meiner Zeit hier gelernt:
Während meiner Zeit hier konnte ich erleben, wie die deutsche Lehrer*innenausbildung Inklusion, Nachhaltigkeit und multiprofessionelle Zusammenarbeit aktiv fördert und zugleich großen Wert auf offene Diskussionen, reflektierte Praxis und studierendenzentriertes Lernen legt.
Die größten Herausforderungen meines Aufenthaltes:
Am schwierigsten war es für mich, in Deutschland zu sein, während meine Tochter auf Jamaika während Hurrikan „Melissa“ (ein Sturm der Kategorie 5) festsaß. Sie war darauf angewiesen, dass ich ihr helfe, neue Flüge für sie zu finden und sie durch das Chaos nach dem Sturm lotse, obwohl ich Tausende Kilometer entfernt unterrichtet habe. Dieser Spagat zwischen meinen Aufgaben als Mutter und als internationale Gastdozentin hat mich emotional sehr gefordert. Gleichzeitig war ich dankbar für die Kraft, beiden Rollen gerecht werden zu können.
Das habe ich von hier mit nach Hause genommen:
Ich bin nicht nur mit vielen wichtigen neuen Kontakten, neuen Ideen und einem tieferen Verständnis globaler Bildung nach Hause zurückgekehrt, sondern habe auch Gewürze und Süßigkeiten aus dem afrikanischen Laden sowie die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der TU Braunschweig-Gemeinschaft mitgebracht.
Gut zu Wissen
Mein Tipp für andere internationale Studierende oder Forschende, die einen Aufenthalt in Deutschland planen:
Seid offen für jeden Moment und nehmt die lokale Kultur bewusst an. Eine eigene Wohnung hilft dabei, sich schnell einzuleben und sorgt gerade bei längeren akademischen Aufenthalten für ein gewisses Maß an Stabilität und Wohlbefinden.
Das sollte man meiner Meinung nach in Braunschweig/Deutschland unbedingt ausprobieren:
Die historische Altstadt erkunden, Campuslabore wie das MediaLab oder das Emerging Tech Lab besuchen, die traditionelle deutsche Küche genießen und sich die Zeit nehmen, mit den Menschen hier vor Ort in Kontakt zu kommen.
Meine schönste Erinnerung an meinen Aufenthalt in Braunschweig:
Eine meiner schönsten Erinnerungen ist der Besuch der Christian Hope Church Braunschweig zusammen mit Dr. Kenton Barnes vom Institut für Anglistik und Amerikanistik. Der Lobpreis, die Predigt von Reverend Prince Blackson Ansah und die herzliche Gemeinschaft fühlten sich wie ein spirituelles Zuhause fern der Heimat an. Zudem durfte ich zwei Geburtstage und eine Hochzeit feiern, köstliches afrikanisches Essen genießen und dabei eine tiefe Verbundenheit erleben, die mir gezeigt hat, dass man überall Gemeinschaft finden kann.
Das möchte ich noch ergänzen:

Im Seminar von Daniel Fehrentz (links) haben wir das deutsche und das US-amerikanische Bildungssystem verglichen. Bildnachweis: ZeVida Jones/TU Braunschweig
Das Institut für Erziehungswissenschaft hat meinen Aufenthalt unvergesslich gemacht – ganz besonders Daniel Fehrentz. Er hat mich am Bahnhof abgeholt, mich zu meiner Unterkunft begleitet und mein Gepäck gefühlt zehn Stockwerke hinaufgetragen. Als ich am nächsten Tag zufällig entdeckte, dass es im Gebäude einen Fahrstuhl gab, haben wir beide herzlich darüber gelacht. Außerdem organisierte er mir ein Büro, stellte mich den Kolleginnen und Kollegen vor und erkundigte sich regelmäßig nach meinem Befinden. Ich habe mich jederzeit willkommen gefühlt und die Freundlichkeit sowie Gastfreundschaft sehr geschätzt.
Hinweis: Der Originaltext wurde auf Englisch verfasst.