10. März 2026 | Magazin:

Antarktis-Expedition: Masterarbeit im „ewigen Eis“ Studentin Pinar Dogantekin berichtet von Bord der „Polarstern“

Wie ist es, fast zwei Monate in der Antarktis zu verbringen? Pinar Dogantekin erlebt es hautnah. Die Studentin des Masterstudiengangs „Kultur der technisch-wissenschaftlichen Welt“ ist seit Anfang Februar 2026 mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ im Südpolarmeer unterwegs – zwischen Eisbergen und in eisiger Kälte. Die internationale Forschungsexpedition „Summer Weddell Sea Outflow Study“ des Alfred-Wegener-Instituts untersucht das kaum erforschte nordwestliche Weddellmeer, das von zentraler Bedeutung für das globale Klima- und Ozeansystem ist.

Das erste Mal auf Meereis. Bildnachweis: Pinar Dogantekin/TU Braunschweig

Ziel der Expedition ist es, herauszufinden, warum die Fläche des antarktischen Meereises in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist und wie sich das auf das Ökosystem auswirkt. Pinar Dogantekin begleitet als einzige Journalistin die Expedition und berichtet als freie Reporterin für verschiedene Medien, darunter den Tagesspiegel, Zeit Campus und die NZZ, von Bord. Und auch das Studium kommt nicht zu kurz: Sie schreibt an der TU Braunschweig ihre von Professor Christian Kehrt und Professorin Henriette Bertram betreute Masterarbeit auf der „Polarstern“. Wir haben sie zu diesem Abenteuer befragt.

Was hat dich dazu bewogen, an der Expedition teilzunehmen?

Ich mag Schnee, Eis und Kälte. Den Winter würde ich immer dem Sommer vorziehen. Die Polargebiete haben mich schon als Kind fasziniert: diese Weite, dieses extreme Klima, diese Landschaft aus Eis.

Und als Journalistin interessiert mich besonders, wie Menschen unter diesen Bedingungen leben und arbeiten und was diese Umgebung mit ihnen macht.

Wie kam es, dass du dann auch tatsächlich auf der „Polarstern“ mitfahren konntest?

Eine Mischung aus „zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein“ und Hartnäckigkeit. Man muss dranbleiben und sich immer wieder melden. Genau das ist auch mein Tipp, besonders an Frauen und Migrant*innen: Sichtbar bleiben, nachfragen, nicht aufgeben.

Wie hast du dich darauf vorbereitet?

Um an einer solchen Expedition teilnehmen zu können, muss man eine medizinische Tauglichkeitsprüfung bestehen und ein Umweltseminar absolvieren. Außerdem probiert man vorher schon Polarkleidung an, die die „Polarstern“ direkt aus Bremerhaven mittransportiert, damit man nicht so viel Gepäck auf der Flugreise hat.

Und natürlich bereitet man sich auch mental vor. Über zwei Monate weitgehend abgeschottet zu sein, ist nicht ohne. Mir hat es sehr geholfen, mit Menschen zu sprechen, die bereits in der Antarktis auf Expedition waren, um von ihren Erfahrungen zu lernen.

Was siehst du als eine besonders große Herausforderung während der Expedition?

Die Kabinen auf dem Forschungsschiff teilt man sich in der Regel zu zweit. Wenn man etwas mehr Privatsphäre haben möchte, zieht man die Gardine der Koje zu. Bildnachweis: Pinar Dogantekin/TU Braunschweig

Das Leben auf engem Raum mit vielen Menschen. Wir sind etwa 50 Wissenschaftler*innen und 50 Besatzungsmitglieder an Bord. Das Schiff ist ungefähr 120 Meter lang und 25 Meter breit, und die Kabinen teilt man sich in der Regel zu zweit. Rückzugsmöglichkeiten sind also begrenzt. Auch die geringe Bewegung ist herausfordernd: Die Wege an Bord sind sehr kurz. Immerhin gibt es einen Fitnessraum.

Du schreibst auf dem Schiff deine Masterarbeit. Worum geht es dabei?

Ich untersuche, wie Wissenschaftler*innen und Nicht-Wissenschaftler*innen zusammenarbeiten, um Meereisforschung überhaupt möglich zu machen. Dabei interessieren mich besonders Wissensordnungen und -hierarchien. Wessen Wissen zählt in welchen Situationen – und wann wird es anerkannt? Ich arbeite ethnografisch, das heißt: Ich lebe im Feld, begleite den Arbeitsalltag an Bord und beobachte Interaktionen und Arbeitsprozesse.