Topographien religiöser Mehrheiten-Minderheiten-Konstellationen im historischen Vergleich 11. March 2026 - 12. March 2026 | 13:00 h - 18:00 h
Die gemeinsame Tagung der Bet Tfila – Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa an der Technischen Universität Braunschweig und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Kooperation mit dem Arbeitskreis Geschichte der Juden der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen “Topographien religiöser Mehrheiten-Minderheiten-Konstellationen im historischen Vergleich” untersucht aus topographischer Perspektive die Niederlassungsorte und baulichen Zeugnisse jüdischer und konfessioneller Minderheiten. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Zeit vom 16. bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert.
Die konfessionelle Spaltung infolge der Reformation führte in der Frühen Neuzeit zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die auch das Erscheinungsbild der Orte nachhaltig prägten. Das Streben der Landesherren nach konfessioneller Einheit, wie es im Augsburger Religionsfrieden von 1555 (“Cuius regio, eius religio”) festgeschrieben wurde, Einschränkungen der Rechte von Minderheiten, Verfolgungen, Religionskriege sowie gezielte Anwerbungen von Fachkräften förderten vom 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts verstärkte Wanderungsbewegungen religiöser Minderheiten.
Diese Zuwanderung hinterließ sichtbare Spuren im Stadtbild. Es entstanden zum Beispiel neue Kirchen, Synagogen, Pfarrhäuser, Schulen, Friedhöfe, sowie Wohn- und Geschäftshäuser. Gleichzeitig schützten zahlreiche Auflagen die Vorrechte der konfessionellen Mehrheitsgesellschaft. Politische Entscheidungsträger beeinflussten die Ansiedlung, den Immobilienerwerb, die Religionsausübung und den Bau von Gotteshäusern, teils auch die wirtschaftliche Betätigung von Minderheiten. Besonders stark betroffen waren jüdische Gemeinden, während einzelnen Minderheiten oder ihren Angehörigen auch Privilegien eingeräumt wurden.
Aufgrund der territorialen Vielfalt des Alten Reiches unterschieden sich die Mehrheiten-Minderheiten- Verhältnisse erheblich. Seit dem Westfälischen Frieden von 1648 galten Lutheraner, Katholiken und Reformierte als reichsrechtlich anerkannte Konfessionen und stellten meist die jeweilige Mehrheitsgesellschaft. Andere christliche Konfessionen sowie Juden waren offiziell nicht anerkannt.
Die Tagung widmet sich unter anderem folgenden Fragen: Wo siedelten sich Minderheiten im städtischen Raum an? Wo lagen ihre Gemeindeeinrichtungen, und kam es im Laufe der Zeit zu räumlichen Verlagerungen? Welche Rückschlüsse lassen sich aus Lage, Sichtbarkeit, baulicher Gestaltung und Nachbarschaften auf das Verhältnis zur Mehrheitsgesellschaft, das Zusammenleben der Religionsgemeinschaften und die soziale Stellung der Gemeindemitglieder ziehen?
Die interdisziplinäre Tagung analysiert diese und weitere Aspekte der räumlichen Beziehungen von Mehrheiten und Minderheiten auf lokaler, städtischer und regionaler Ebene.