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Ausstellungseröffnung: Materialforschung 5: Tannenbäume. IAK im Konsumverein 14.06.2018 | 20:00 Uhr - 22:00 Uhr

Das Fest ist vorbei. Die Geschenke ausgepackt. Die Kerzen runtergebrannt. Der Baum fängt an zu nadeln. Wird nicht mehr gebraucht. Steht im Weg. Muss raus. Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 25 Millionen Tannen für das Weihnachtsfest gekauft und nach wenigen Tagen entsorgt. Nordmanntannen, Blaufichten, Rotfichten und Nobilistannen warten dann am Straßenrand auf Abholung oder werden im Hausmüll entsorgt, im Kamin verbrannt, ins Gebüsch geworfen oder anderweitig beseitigt.

So steht der Weihnachtsbaum nicht nur für traditionsreiche und stimmungsvolle Festlichkeit, sondern zugleich exemplarisch für Raubbau an der Natur. Große Flächen Land werden für die monokulturelle Züchtung der Weihnachtstannen geopfert und häufig mit einem Cocktail aus giftigsten Pestiziden gedüngt, um ein schnelles Wachstum zu fördern. Am Beispiel Tannenbaum wird der Zusammenhang zwischen Konsum und Müll deutlich. Die kollektiven, kulturell verankerten Gewohnheiten stehen einer kritischen Überprüfung der Verhältnismäßigkeit zwischen individueller Befriedigung und den Konsequenzen für die gemeinsame Umwelt im Weg.

Was aber wäre, wenn die Bäume nach Weihnachten nicht als Abfall entsorgt werden würden sondern als Material, als wertvolle Ressource, weiterverarbeitet werden könnten? Am Institut für Architekturbezogene Kunst der TU Braunschweig, dem IAK, ist die Materialforschung, das Experimentieren mit Materialien, zentraler Bestandteil der künstlerischen Lehre. Material das auf Baustellen, in der Industrie, in Institutionen, in der Landwirtschaft und – wie die Bäume – auf der Straße sonst zur Entsorgung anfallen würde, wird am IAK zu Arbeitsmaterial und Grundlage für Gestaltung und Formgebung.

Mit dem Rohstoff Tannenbaum wurde das Semesterthema FASSADE in all seinen Bedeutungen skulptural und performativ umgesetzt. Aus mehreren hundert Weihnachtsbäumen, die von den Studierenden nach den Weihnachtsferien ins IAK gebracht wurden, entstanden Wände und Räume, Gitter, Türme und Raster. Die Bäume wurden zersägt, zerpflückt, entnadelt. Zu Masken und Kostümen zusammengesteckt und gebunden.

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