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Vergessen und Verdrängen“ Walter Kempowski und die Erinnerungskultur der Deutschen 09.11.2017 | 19:00 Uhr - 21:00 Uhr

Im Zyklus der Betrachtungen zu den Werken von Walter Kempowski stehen in diesem Jahr zwei besondere Bände zum Thema der deutschen Erinnerungskultur im Mittelpunkt. Die 1973 und 1978 erschienenen Fragebände »Haben Sie Hitler gesehen?« und »Haben Sie davon gewusst?« greifen zurück auf Antworten jener Nachkriegsgeneration für die »Vergessen und Verdrängen« bestimmend war. Das kollektive Schweigen verhinderte lange Zeit jegliche Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus. Vor Walter Kempowski, dessen Befragungsbände gelegentlich sogar als Tabubruch bezeichnet wurden, war kaum in ganz persönlichen Beobachtungen normales Leben von Deutschen unter Hitler derart erfahrbar gemacht worden. Kempowskis Sammlung der Antworten erhellte die wahre Gemütslage der Deutschen unter Hitlers Herrschaft. Der Autor verzichtete auf jeglichen eigenen Kommentar und ließ die Menschen für sich sprechen und überließ dem Leser die notwendige Schlussfolgerung.
Sebastian Haffner beurteilte Kempowskis Vorgehen zutreffend, als er feststellte: »Wenn man die Leute auf den Kopf zu nach ihrer Meinung über Hitler fragt – der damaligen und der jetzigen –, wird wohl auch heute noch
ziemlich geschwindelt. Die Generation, die Hitler erlebt hat – ganz egal, wie sie ihn erlebt hat –, hat nachher von diesem Erlebnis nicht mehr sprechen mögen. Sie hat nichts davon an ihre Kinder weitergegeben und insofern ist die blanke Ignoranz und Uninteressiertheit der Jüngeren das Werk der Älteren.«

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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