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Poesie und Film. Mobilität und lyrische Strukturen im Kino von Abbas Kiarostami und Jim Jarmusch 08.11.2018 - 09.11.2018 | 19:30 Uhr - 21:00 Uhr

Amerikanische Gedichte und persisches Kino an der Elbe anlässlich einer Tagung zu Poesie und Film in Hitzacker

Unter dem Titel Poesie und Film. Mobilität und lyrische Strukturen im Kino von Abbas Kiarostami und Jim Jarmusch laden Jan Röhnert (Technische Universität Braunschweig) und Andreas Kramer (Goldsmiths College, London) mit Hilfe der Nicolas Born Stiftung zu einem hochkarätig besetzten Kolloquium nach Hitzacker.

Das Highlight des Symposiums sind die literarischen und filmischen Programmpunkte, die allesamt öffentlich zugänglich sind. So kommt der seit Jim Jarmuschs Film Paterson dem weltweiten Publikum bekannte New Yorker Dichter Ron Padgett eigens für seine Lesung nach Hitzacker an die Elbe.

Den Auftakt bildet ein Gespräch mit dem iranischen Schriftsteller Mahmoud Hosseini Zad über das persische Kino und dessen wohl größten Filmemacher Abbas Kiarostami. Der bedeutendste Übersetzer deutschsprachiger Literatur im Iran wird am 8.11. gegen 19.30 Uhr in einem Podiumsgespräch mit Jan Röhnert über einen hierzulande zu Unrecht nur den happy few bekannten Regisseur und Dichter sprechen, der auf den Filmfestspielen in Cannes, Venedig oder Berlin regelmäßig die Cineasten verzauberte und zuletzt in der Jury des Oscar saß. Hosseini Zads eigene Arbeiten, für die er u.a. mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet wurde, haben die deutsche Literatur dem iranischen Publikum nähergebracht. Er übersetzte unter anderem Brecht, Dürrenmatt, Böll und Kafka, aber auch Gegenwartsautoren wie Judith Hermann oder Peter Stamm.

Anschließend wird Abbas Kiarostamis Meisterwerk Der Wind wird uns tragen zu sehen sein. Ein Fotograf kommt mit seiner Kamera in ein archaisches Bergdorf Kurdistans und lernt dort vor der Kulisse atemberaubender Landschaften das Leben und die Welt neu sehen. Der für den Goldenen Löwen auf dem Filmfestival von Venedig nominierte Film wurde ausschließlich mit Laiendarstellern besetzt. Die Kritik lobte ihn in den höchsten Tönen als klug, faszinierend und einzigartig.

Der Freitagabend kommt einer Sensation gleich: am 9.11. um 19.30 Uhr liest Ron Padgett aus seinem Werk, das seit diesem Jahr auch auf Deutsch vorliegt. Der zur New York School zählende, 1942 geborene Zeitgenosse von John Ashbery, Ted Berrigan, Frank O’Hara und Kenneth Koch wurde dem deutschsprachigen Publikum als Vertreter der Beat- und Pop-Bewegung erstmals im Jahre 1969 zugänglich, als Rolf Dieter Brinkmann Padgetts Gedichte in seine Anthologie Silverscreen aufnahm. Ron Padgett versteht es, in seinen Gedichten, die sich selbst nicht so ernst zu nehmen scheinen, die kleinen Dinge des Lebens aufleben zu lassen. Paul Auster nannte ihn einen Dichter von herzzerreißender Zärtlichkeit und immer tiefer werdender Weisheit. Lebensbejahende Leichtigkeit trifft in Ron Padgetts Lyrik auf eine Präzision der Sprache, die auch den Kultregisseur Jim Jarmusch in seinen Bann zog:

„Beim Drehbuchschreiben wusste ich schon, dass ich Gedichte von Ron Padgett verwenden wollte. Ich liebe seine Gedichte sehr“. Die Rede ist von Jarmuschs grandiosem 2016 erschienenen Film Paterson, dessen Protagonist, ein dichtender Busfahrer (Adam Driver), innerhalb des Films die von Ron Padgett zum Teil eigens dafür verfassten Gedichte zu Papier bringt. Entstanden ist ein „leises Meisterwerk, das die sonstige laute Kinokonkurrenz stumm machen sollte vor Neid“ (FAZ). Die Ausstrahlung des Films findet um 20.30 Uhr im Anschluss an die Lesung Ron Padgetts statt, dessen Lyrik die Zuschauerinnen und Zuschauer also auch auf der Leinwand noch einmal genießen dürfen. Jarmusch ist einer der weltweit wichtigsten Independent-Regisseure, vielfach preisgekrönt und in einem Atemzug mit Wim Wenders oder Quentin Tarantino zu nennen. Iggy Pop, Tom Waits und Bill Murray sowie Johnny Depp, Cate Blanchett und Tilda Swinton sind nur einige der Stars, die in seinen großartigen Filmen (u.a. Dead Man, Down by Law, Broken Flowers, Coffee & Cigarettes, Only Lovers Left Alive) wiederholt aufgetreten sind.

Donnerstag, 8.11.2018

  • 19.30 Uhr: Podiumsgespräch mit Mahmoud Hosseini Zad
  • 20.30 Uhr: Filmvorführung: Der Wind wird uns tragen (Abbas Kiarostami)

Freitag, 9.11.2018

  • 19.30 Uhr:  Lesung von Ron Padgett
  • 20.30 Uhr: Filmvorführung: Paterson (Jim Jarmusch)

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