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Orient trifft Okzident 15.01.2017 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Die goldene Zeit des spanischen Mittelalters (4): Geschichte und Geschichtsschreibung

Islam und Europa – ein aktuelles Thema, eigentlich ein dauerhaftes Thema für Europa und die abendländische Kultur? Gehört der Islam zu Europa? Gehören Moscheen neben Kirchen? Ist der Islam etwas Fremdes, das uns von außen bedroht? Solche Fragen stellen sich stets neu und werden immer wieder neu gestellt. So willkürlich die Grenzen Europas gezogen sind, akzeptieren wir sie in unserem heutigen Sinne, dann hat der Islam hier nicht nur Wurzeln geschlagen (Russland und Südosteuropa) sondern besitzt eine lange Tradition und Geschichte auf der Iberischen Halbinsel – ein Aspekt, dem wir uns mehr als bisher bewusst sein müssen, ebenso wie der Tatsache, dass der Islam bis heute wesentliche Beiträge zu unserer Kultur und Geschichte geleistet hat und noch leistet, wenn wir ihn nicht ständig mit dem radikalen Islamismus verwechseln.
Vor dem Hintergrund dieser knapp formulierten Thesen widmet sich die Reihe „Orient trifft Okzident“ der Geschichte, Kultur und Wissenschaften im islamischen Spanien, dem al-Andalus, um dieses zu wenig beachtete Kapitel europäischer Kulturgeschichte bekannter zu machen. Das islamische Spanien war unter Einbeziehung der starken jüdischen Bevölkerung ein wahrer Lehrmeister des mittelalterlichen Europa geworden. Neben der Vermittlung der Werke antiker Autoren und deren Weiterentwicklung stehen in diesem Vortrag die eigenständigen wissenschaftlichen Erkenntnisse arabischer Gelehrter, speziell im Bereich der Geschichtsschreibung im Mittelpunkt, so etwa Ibn Khaldun (1332-1406). Wären seine Schriften übersetzt worden, sie hätten die damaligen Europäer hoffnungslos überfordert. Erst Machiavelli, Montesquieu oder Vico, die Koryphäen der Neuzeit, mit denen Ibn Khaldun so oft verglichen wird, hätten für sein Denken die nötige Weltoffenheit und Neugier besessen. Ibn Khaldun hatte das unmittelalterlichste Geschäft betrieben, das man sich denken kann: die Entzauberung der Welt.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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