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„Lerne beten, Kind, und falte fein die Händ, damit Gott den tollen Christian von uns wend!“ Herzog Christian von Braunschweig: „Der tolle Halberstädter“ und der Dreißigjährige Krieg 03.05.2018 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Geschichte mit braunschweigischer Herkunft war ein Sohn von Herzog Heinrich Julius: Christian von Braunschweig. Sein Beiname „Der tolle Christian“ oder „Der tolle Halberstädter“, letzterer abgeleitet von dem Titel eines Administrators des Bistums Halberstadt, den er seit seinem 17. Lebensjahr führte, weist auf die ereignisreiche Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Damals war der junge Fürst einer der fanatischsten Vorkämpfer des Luthertums in niedersächsischen Raum. Er galt den einen als blindwütiger Mordbrenner, den anderen als zu spät gekommener Minne-Ritter. Die Zuneigung zu seiner Verwandten Elisabeth, der entthronten »Winterkönigin« von Böhmen, bildete den Hintergrund der emotional bestimmten Episoden-Schilderungen. Nach der Einnahme von Paderborn ließ Christian den reich mit Gold, Silber und Edelsteinen geschmückten Sarkophag des hl. Liborius im Dom einschmelzen und daraus einzigartige Münzen prägen. Auf der einen Seite ein Arm mit einem Schwert und die andere Münzseite trug den Spruch „Gottes Freund, der Pfaffen Feind“. Trotz mancher Misserfolge und seinem baldigen Tod am 6. Juni 1626 war der Ruf des tollen Christian, den Ricarda Huch in ihrem »Wiegenlied aus dem Dreißigjährigen Krieg« einprägsam und beeindruckend beschrieb, furchteinflößend: „Horch, Kind, horch, wie der Sturmwind weht/ Und rüttelt am Erker!/ Wenn der Braunschweiger draußen steht,/ Der fasst uns noch stärker./ Lerne beten, Kind, und falte fein die Händ,/ Damit Gott den Tollen Christian von uns wend!“. Das alte Bild des verrückten/tollen Braunschweigers aber bedarf längst einer sorgfältig neuen Bewertung, wie einige Beispiele des Vortrages aufzeigen wollen.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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