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Kommunikation im Tierreich: Beispiel Libellen 12.03.2019 | 18:30 Uhr - 19:45 Uhr

Libellen kommunizieren hauptsächlich mit Hilfe ihrer Augen. Diese haben ein 10-15 mal höheres, zeitliches Auflösungsvermögen als wir Menschen – sie sehen wie in Zeitlupe. Deshalb nutzen wir seit vielen Jahren Zeitlupenkameras, um ihre Kommunikation zu entschlüsseln. Libellenmännchen erkennen sich und kämpfen heftig. Es gibt aber auch Pazifisten unter den Libellen: Prachtlibellen und viele moderne Segellibellen besitzen farbige Flügel. Diese setzen sie als Signalflaggen ein und vermeiden dadurch Kämpfe. Vor Weibchen erhöhen sie drastisch ihre Schlagfrequenz. Weibchen bewerten dieses und suchen danach einen guten Partner aus – und so gute Gene für die eigenen Nachkommen! Ein spannender Einblick in die Wirkungsweise der Evolution.

Kommunikation und Verständnis – Akademie-Vorlesungen im Schloss

Kommunikation ist heutzutage ein Allerweltswort: von der unmittelbaren sprachlichen Begegnung zweier Menschen bis zum elektronischen Informationsaustausch über den ganzen Globus hinweg. Wie aber ist es mit der gegenseitigen Verständigung? Geht es um reine Datenübermittlung über feststellbare Sachverhalte? Geht es um die Gleichschaltung paralleler Prozesse über unterschiedliche Entfernungen hinweg aus dem Nano- bis in den kosmischen Makrobereich? Wie ereignet sich Kommunikation zwischen Menschen gleicher oder einander fremder Sprachen? Vollzieht sie sich nur auf der sprachlichen Ebene? Ist Kommunikation stets mit Verständigung verbunden? Kommunikation und Verständigung sind nicht gleichzusetzen. Beide Möglichkeiten menschlicher Beziehung ereignen sich nicht nur sprachlich sondern auch non-verbal emotional, leiblich-haptisch, mimisch und gestisch. Wie kommunizieren Menschen und Tiere miteinander und wie verständigen sich Tiere untereinander?

Über die sprachliche Kommunikation hinaus ist auch die von der Technik mitgeprägte Lebenswelt des Menschen nicht denkbar ohne das kooperative, auf Kommunikation gestützte Miteinander von Mensch und Maschine, von Mensch und Roboter. Das ist nicht nur mittels der unmittelbaren Nutzung technischer Handwerkszeuge möglich. Es bedarf der konkret und virtuell vermittelten Information und Koaktion in globaler Vernetzung.

Bleibt die Frage, ob die scheinbare Verselbständigung von technischer inkl. elektronischer Kommunikation nicht die bis in die selbsterlebte Leiblichkeit des Menschen reichende emotionale und existenzielle Dimension von Verständigung aus den Augen verliert. Verständigung ist mehr als Informationsaustausch. Wo immer Leben beteiligt ist am Prozess der Interaktion, geht es auch um nicht konkret Fassbares.

Die uns umspannenden Formen von Kommunikation und Verständigung zeigen vielfältige Aspekte, die den Menschen und seine Lebenswelt prägen, die auch um seiner selbst willen wert-orientiert reflektiert werden müssen.

Die geplante Reihe der Akademie-Vorlesungen im Schloss 2019 unter dem Thema „Kommunikation und Verständigung“ wird aus der Sicht verschiedener Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften die Vielfalt deutlich machen.

Referent/in

Prof. a. D. Dr. Georg Rüppell, Institut für Zoologie der TU Braunschweig

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