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Karl der Große, Europa und die Sachsen 10.11.2016 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

„Dreißigjähriger Krieg“ Karls des Großen gegen „Götzendiener“ und „Christenfeinde“

Eine deutliche Zäsur in der frühmittelalterlichen Geschichte Niedersachsens war mit dem Karolingerreich verbunden, als in den Sachsenkriegen Karls des Großen ab 772 das südöstliche Niedersachsen dem karolingischen Frankenreich eingegliedert wurde. Die Taufe des Sachsenführers Widukind im Jahr 785 markierte der Anfang der endgültigen Eingliederung Sachsens in das Frankenreich, auch wenn die Auseinandersetzungen weiter andauerten: „Es war der blutigste und langwierigste aller Kriege, die die Franken geführt haben. Als es aber zum Frieden und zur Annahme des Christentums gekommen war, da verwuchsen Franken und Sachsen zu einem Volk“, berichtet Einhard in seiner Lebensbeschreibung Karls des Großen. In seinen Worten wird die Härte der Auseinandersetzungen spürbar.
Die Sachsenkriege dauerten mit wechselnder Intensität rund 33 Jahre und waren gekennzeichnet durch unzählige fränkische Vorstöße ins Sachsengebiet bis zur Oker, denen sächsische Gegenstöße folgten. 782 erhielt Sachsen die fränkische Grafschaftsverfassung, bei der die Grafen als Vorsteher eines natürlich begrenzten Zuständigkeitsgebietes, Gaues, direkt vom König eingesetzt wurden und ihren Besitz als Adelsgut vom König übertragen erhielten. Es war dies eine erste und zugleich tiefgreifende „Verwaltungsreform“. Aufgaben dieser Grafen waren Rechtsprechung, Führung des Heerbanners, Sicherung von Burgen als Herrschaftssitze und der Schutz von Kirchen und Priestern. Mit der Grafschaftsverfassung wurden fränkisches Recht und Herrschaftsstruktur in Sachsen eingeführt. Im Zuge der christlichen Missionierung erfolgte schließlich die Einführung der fränkischen Kirchenorganisation. Dieser regionalgeschichtliche Aspekt wird in dem Vortrag vor dem Hintergrund einer Betrachtung Karls des Großen erfolgen, dessen persönliche Bedeutung und Herrschaft ihn als „Vater Europas“ in die Geschichtsbücher eingehen ließ.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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