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Geschehen – vergessen – erinnern? Anmerkungen zum 17. Juni 1953 07.06.2018 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Der 17. Juni 1953 hatte erhebliche Folgen und Spätwirkungen für die DDR-Geschichte. Er beeinflusste ihren Verlauf, das Denken und Handeln der kommunistischen Führung. Die blutige Niederschlagung durch sowjetische Truppen waren eine Seite der schnellen Reaktion auf die Ereignisse, die massenhaften Verhaftungen, Schnellgerichte und Hinrichtungen, die sich später zum großen Teil als Justizmord herausstellten, waren die andere Seite. Die in den Archiven aufgefundenen Materialien lassen längst die nationale Dimension der Erhebung erkennen: Die Rufe nach freien gesamtdeutschen Wahlen und nach Wiedervereinigung gehörten zu den ersten Forderungen der Aufständischen. In diesem Sinne hat schließlich die friedliche Revolution 1989 vollendet, was am 17. Juni 1953 begonnen wurde.

Sehr rasch widmete man in der Bundesrepublik dem 17. Juni nach 1953 ein Gedenken, erhob ihn zum nationalen Tag der Deutschen Einheit. Schon ein Jahrzehnt später aber setzte die Diskussion um den besten Weg des Vergessens ein: 17. Juni, war da was? Diese Frage findet kaum noch Antwort – mehr als 90 % der Schülerinnen und Schüler sowie 60 % der Erwachsenen können das Datum keinem konkreten Ereignis mehr zuordnen. Es muss festgestellt werden, dass der 17. Juni 1953 tatsächlich zum »vergessenen Aufstand« geworden ist. Eine bittere Aussage konnte man daher kurze Zeit nach den Ereignissen von 1989 von einem DDR-Bürger hören: „Wir haben 1953 den Aufstand gemacht und ihr im Westen habt den Feiertag bekommen. Wir haben 1989 den Umbruch geschafft und ihr habt uns den Feiertag genommen.“ Zur 50-jährigen Wiederkehr des Aufstands im Jahr 2003, überschlugen sich die Medien mit Sonderausgaben, fanden Ausstellungen statt und konnte man sich vor mahnenden Moralpredigten kaum retten. Und heute: längst vergessen!

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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