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„Dieser Professor ist ganz unnütz für die Universität“ – Die welfische Landesuniversität Helmstedt im Urteil des „Universitätsbereisers“ Friedrich Gedike aus dem Jahre 1789 25.07.2019 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

„Gedicke, der Universitätsbereiser, denkt meiner auch“, so vermerkte Friedrich Schiller am Anfang seines zweiten Semesters an der Universität Jena in einem Brief an Caroline von Beulwitz. Tatsächlich war der „Universitätsbereiser“ Friedrich Gedike in sieben Sommerwochen zwischen dem 16. Juni und 1. August 1789 unterwegs zu den meisten außerpreußischen Universitäten. Sein Auftrag war, „teils überhaupt die Verfassung der fremden Universitäten kennen zu lernen, teils von dem Vortrag solcher Professoren, auf die einmal bei irgendeiner preußischen Universität reflektiert werden könnte, zuverlässig Nachricht und Kenntnis einzuziehen“. Sein unmittelbarer Auftraggeber war der reaktionäre Justizminister und Chef der geistlichen Angelegenheiten Johann Christoph von Wöllner (1732-1800).

Gedike begann seine Überprüfung an der braunschweigischen Landesuniversität Helmstedt, reiste zwei Tage später nach Göttingen und schließlich weiter nach Marburg, Gießen, Mainz, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Altdorf, Erlangen, Erfurt, Jena, Leipzig und Wittenberg. Norddeutsche Universitäten wie Rostock, Greifswald oder Kiel sowie süddeutsche wie Bamberg, Freiburg oder Würzburg wurden außer Acht gelassen. Mit großer Sorgfalt beschrieb Gedike nicht nur die akademischen Einrichtungen oder sozialen Maßnahmen für Studierende, sondern erstellte interessante Charakteristiken der Professoren aufgrund ihres Auftretens in den Vorlesungen, die Gedike persönlich besuchte. In Ausnahmefällen befragte er Studenten oder Kollegen hinsichtlich des Rufes der ihn interessierenden Professoren. Das Bild, das er seinen Auftraggebern vermittelte, musste umfassend sein, denn immerhin sollte es dazu dienen, mögliche Berufungen an preußische Universitäten vorzubereiten. Es war der Ausgangspunkt offizieller Rankings an den Universitäten.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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