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„Ein Mann wie Lessing täte uns not“ 15.12.2016 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Gotthold Ephraim Lessing zwischen Herzog, Hof und Bibliothek

Das Verhältnis von Lessing zum Braunschweiger Hof war ein äußerst ambivalentes. Sicherlich erkannte er die deutlich liberalen Strukturen der Zeit an, die den Hof in seiner Politik gegenüber vielen anderen Kleinstaaten auszeichneten und „das Herzogtum zu einem der tolerantesten Staaten in Deutschland machten“, gleichzeitig litt er unter der Enge und seiner Abneigung gegenüber höfischen Sitten. Sind auch Lessings Abneigungen höfischer Gewohnheiten grundsätzlicher Natur gewesen, so hinderte ihn dies nicht, im Einzelfall durchaus eine positive Haltung gegenüber Vertretern des Braunschweiger Hofes einzunehmen. Dies galt insbesondere für das ältere Herzogspaar Carl I. und Philippine Charlotte sowie Carls Bruder Herzog Ferdinand. Wenn auch Lessings Dienstantritt unter der Regierung von Carl I. erfolgte, so war doch die entscheidende Bezugsperson am Hof der Erbprinz Carl Wilhelm Ferdinand. Ende 1769 war es zu einer Begegnung von Lessing mit dem Erbprinzen gekommen. Es war ein in jeder Hinsicht zufrieden stellendes Treffen. Obwohl strengste Sparsamkeit herrschte, wurde die Bibliothekarsstelle für Lessing eingerichtet und bereits am 15. Dezember 1769 die Anstellung offiziell verkündet.
Alltagsroutine und persönliche Dramatik, literarische Genialität und bürokratische Unerträglichkeit, Anerkennung, Freundschaften, Ruhm und Anfeindungen – alle Höhen und Tiefen des menschlichen Lebens spiegeln sich gerade auch im letzten – „braunschweigischen“ – Lebensjahrzehnt. Goethe meinte 1825: „Ein Mann wie Lessing täte uns not. Denn wodurch ist dieser so groß als durch seinen Charakter, durch sein Festhalten! – So kluge, so gebildete Menschen gibt es viele, aber wo ist ein solcher Charakter!“

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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