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„Die Amazone von Rom“ Christine von Schweden (1626-1689) – zwischen Thron und Altar 08.02.2018 | 19:00 Uhr - 21:00 Uhr

Christina von Schweden war die zweite Tochter des schwedischen Königs Gustav II. Adolf (1594-1632) und dessen Ehefrau Eleonora von Brandenburg (1599-1655). Sie wurde am 18. Dezember 1626 in Stockholm geboren. Es war eine Epoche der kulturellen, territorialen und religiösen Umwälzungen in Europa, wie sie gewaltiger nicht hätte sein können. Mit sechs Jahren erbte sie den Thron ihres Vaters, der als protestantischer Führer gegen die kaisertreue katholische Liga 1632 in der Schlacht bei Lützen ums Leben kam. Auf Wunsch ihres Vaters wie ein männlicher Thronfolger erzogen und ausgestattet mit universeller Bildung, entfaltete sie eine unkonventionelle Lebensweise, deren Vielschichtigkeit zwischen politischer Genialität, sexueller Selbstbestimmtheit, religiöser Widerspenstigkeit und rücksichtsloser Selbstüberschätzung kaum widersprüchlicher sein konnte. Einem rückständigen agrarisch geprägten Land brachte sie zukunftsorientierte
Bildung, Kultur und Wissenschaft und öffnete den Weg zur nordischen Großmacht. Sie versammelte Künstler und Gelehrte um sich, träumte von einer schwedischen Akademie der Wissenschaften, holte den französischen Philosophen Descartes und den niederländischen Rechtsgelehrten Grotius an den schwedischen Hof und korrespondierte mit den führenden Geistern Europas. Unersättlich waren ihre Sehnsucht nach Freiheit und Selbstverwirklichung als Frau und immer wieder erregte sie Aufsehen durch irritierende Provokationen.
Schon als junges Mädchen träumte sie von Italien und dessen Kunstschätzen. 1654 übergab Christina die Krone an ihren Neffen Karl Gustav und verließ »ihr Reich« in Richtung Süden. Sie genoß das ausschweifende gesellschaftliche Leben und die kulturellen Anregungen Roms und ließ sich gern als »Königin ohne Land« feiern. Die Spuren ihres Lebens werden zur Zeitreise durch ein Europa der Umwälzungen, ein Europa am endgültigen Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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