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„Bekenntnis zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ Ricarda Huch, Reinhold Schneider und der 20. Juli 1944 05.07.2018 | 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Auch in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg galten die Männer des 20. Juli vorwiegend als „Verräter“. 1951 ergab eine repräsentative Umfrage, dass mehr als 50 Prozent der Deutschen deren Tat vollständig oder doch überwiegend ablehnten. Die Stimmung war kaum geeignet, dem Andenken der Verschwörer gegen Hitler den angemessenen Platz in der deutschen Öffentlichkeit zu geben. Die erste, die nach 1945, als die Widerstandskämpfer, vor allem die des 20. Juli, in weiten Kreisen der Bevölkerung als „Vaterlandsverräter“ verunglimpft wurden, ihre Stimme erhob war die braunschweigische Historikerin und Literatin, Ricarda Huch. Sie hatte die Notwendigkeit des gedenkenden Erinnerns bereits 1944 erkannt, als sie unmittelbar nach Bekanntwerden des gescheiterten Attentats ihr Gedicht „An unsere Märtyrer“ verfasste, das 1944 unter den Hinterbliebenen der Hingerichteten von Hand zu Hand ging. Der Freiburger Schriftsteller Reinhold Schneider wollte mit seinem als „Verpflichtung“ begriffenen Gedenkwort zum 20. Juli zur „Ehre“ derer beitragen, die »aus der Entscheidung ihres Gewissens« heraus gehandelt hatten. Er war 1946 eingeladen worden, auf einer der ersten Gedenkfeiern nach dem Ende des NS-Staates in Stuttgart zu sprechen. Die Pläne konnten nicht realisiert werden und so realisiert er seine Absicht, den nicht gehaltenen Vortrag als „Gedenkwort“ zu publizieren. Mit der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft hatte auch die Würdigung des Widerstands als einer Art Menschenrechtsbestrebung und Menschenrechtsbewegung neuen Raum. Dazu hatte 1952 schließlich der Braunschweiger Generalstaatsanwalt Dr. Fritz Bauer den amtlichen Weg der Zukunft erkämpft.

Referent/in

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel

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