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Antrittsvorlesung „Literatur? Überlegungen zum Gegenstandsbereich der Didaktik der deutschen Literatur und des Literaturunterrichts“ 12.12.2018 | 17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Literarischen Texten kommt im Deutschunterricht nach wie vor eine große Bedeutung zu. Vor allem im Unterricht der Sekundarstufen I und II steht die Aneignung von Kompetenzen zur schriftlichen Interpretation epischer, lyrischer und dramatischer Texte im Mittelpunkt. Die anspruchsvollen Aufgaben des Abiturs im Unterrichtsfach Deutsch heben den Stellenwert von Interpretationskompetenzen als Zielhorizont des Unterrichts noch einmal deutlich hervor. Trotz dieser umfassenden schulischen ‚Absicherung‘ des Erwerbs literaturbezogener Verstehenskompetenzen verlieren literarische Texte in der Freizeitgestaltung von Heranwachsenden zunehmend an Relevanz. Immer mehr Jugendliche finden keinen Zugang mehr zum wertschätzenden und genießenden Umgang mit Literatur. Die Vorlesung setzt bei den aktuellen Diagnosen einer neuerlichen ‚Krise des Lesens‘ an. Anhand der jüngeren Fachgeschichte von Literaturdidaktik und Literaturunterricht soll in einem ersten Teil aufgezeigt werden, wie die verstärkte Förderung (im Deutschunterricht) und Erforschung (in der Literaturdidaktik) primär kognitiv fundierter Lesekompetenz zu einer systematischen Vernachlässigung ästhetischer Dimensionen literarischer Kommunikation führte. Gegen diese Entwicklung wenden sich in der Literaturdidaktik seit kurzem empirische und theoretische Forschungsprojekte, die nach der Bedeutung ästhetischer Erfahrung und Wahrnehmung im Prozess des literarischen Lernens fragen. Dieser sich abzeichnende ‚turn‘ der Literaturdidaktik zu einer wieder verstärkt an ästhetischer Bildung und literarischen Texten interessierten Disziplin wird im zweiten Teil der Vorlesung skizziert sowie mit Blick auf DeutschlehrerInnenbildung und Literaturunterricht (in Braunschweig) konkretisiert.

Referent/in

Prof. Dr. Jan Standke, Institut für Germanistik

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