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Antrittsvorlesung „Anthropologische Übersetzung. Antike Schöpfungserzählungen in Mittelalter und Früher Neuzeit“ 01.02.2017 | 17:00 Uhr - 18:30 Uhr

Übersetzen bedeutet weit mehr, als einen sprachlichen Schalter umzulegen und wissenswerte Informationen in einer anderen Sprache wiederzugeben. Soll ein neues Publikum erreicht werden, muss die Botschaft auch den literarischen und gesellschaftlichen Konventionen der Zielkultur entsprechen. Übersetzen erfordert einen kulturellen Transfer, um sprachliche, zeitliche und räumliche Grenzen überwinden zu können. Aus diesem Grund ist eine Übersetzung nie mit ihrer Vorlage identisch. Die Akzentverschiebungen zwischen beiden Texten sind für kulturwissenschaftliche Fragestellungen besonders aufschlussreich.

Die Vorlesung zeigt am Beispiel antiker Schöpfungsgeschichten, dass sich Übersetzungen als anthropologische Schlüsseltexte interpretieren lassen. Ihnen sind die gesellschaftlichen Wertvorstellungen, Welt- und Menschenbilder einer Epoche eingeschrieben. Ovids ‚Metamorphosen‘ stellten die Übersetzer in Mittelalter und Früher Neuzeit vor große Herausforderungen. Seine Version des Weltanfangs war nur schwer mit der mittelalterlichen Weltanschauung und den sittlichen Normen des Christentums vereinbar. Die deutschen Übersetzer reagierten mit verschiedenen Strategien auf solche Provokationen: Heikle Stellen wurden ausgespart, umgedeutet oder kritisch kommentiert und so den eigenen Idealen angepasst.

Referent/in

Prof. Dr. Regine Toepfer, Institut für Germanistik

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